China kritisiert Japans Abkehr von pazifistischer Verfassung

Peking/Tokio (APA/dpa) - China hat Japans Neuinterpretation der pazifistischen Nachkriegsverfassung kritisiert. Japan müsse die Sicherheitsi...

Peking/Tokio (APA/dpa) - China hat Japans Neuinterpretation der pazifistischen Nachkriegsverfassung kritisiert. Japan müsse die Sicherheitsinteressen seiner Nachbarn achten, forderte der Sprecher des chinesischen Außenministeriums, Hong Lei, am Dienstag.

„Japan stellt aus innenpolitischen Gründen China als Gefahr dar. Dem widersprechen wir“, sagte Hong Lei. Eine Mehrheit der Bevölkerung sei gegen die Abkehr von der pazifistischen Verfassung. „Die japanische Bevölkerung sollte über Japans Entwicklung entscheiden können“, sagte Hong Lei.

Japans Regierungskabinett hatte am Dienstag die Änderung beschlossen. Damit weitet Japan die Rolle seines Militärs aus.

Nach dem verlorenen Zweiten Weltkrieg hatte Japan in der Nachkriegsverfassung „für immer“ auf den Unterhalt von Land-See- oder Luftstreitkräften verzichtet. Doch schon kurz nach Ausbruch des Koreakrieges 1950 bewirkte der Oberbefehlshaber der Alliierten Streitkräfte in Japan, General MacArthur, dass Japan eine „Polizeireserve“ genannte Truppe aufstellte.

Zunächst wurde ein Heer von 75.000 Mann gebildet, das zum 1. Juli 1954 zu einer „Selbstverteidigungstruppe“ (Jieitai) mit 179,000 Mann anwuchs. Ihre Hauptaufgaben bestanden in der Verteidigung Japans gegen einen Angriff sowie als Polizei in der Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung.

In ihrer nunmehr 60-jährigen Geschichte sind Japans Selbstverteidigungsstreitkräfte immer mehr zu einer traditionellen Truppe geworden; ihre Rolle wurde schrittweise ausgeweitet. Heute verfügt das Heer über rund 151.000 Mann (Stand Ende März 2014) und ist unter anderem mit 700 Panzern ausgerüstet.

Die Marine zählt rund 45.500 Mann und verfügt unter anderem über 47 Zerstörer, von denen sechs mit dem Raketenabwehrsystem Aegis ausgerüstet sind. Hinzu kommen 16 U-Boote und 170 Flugzeuge. Die Luftwaffe zählt 47.100 Mann und hat 340 Flugzeuge, darunter 260 Kampfjets.