Marathonrunde soll Erfolg bei Iran-Gesprächen in Wien bringen
Bis zum 20. Juli wollen sich die Verhandler in den Atomgesprächen mit dem Iran einigen. In den kommenden Wochen ist deshalb in Wien ein Verhandlungsmarathon zu erwarten.
Teheran/Bagdad/Wien – Die Atomverhandlungen mit dem Iran kommen nach mehr als zehn Jahren in die alles entscheidende Phase. In der sechsten Verhandlungsrunde in Wien wollen die UN-Vetomächte (USA, Russland, China, Frankreich, Großbritannien) sowie Deutschland von Mittwoch an mit Teheran eine umfassende Lösung im Streit um das iranische Atomprogramm finden.
Bis zum 20. Juli wollen die Verhandlungspartner einen Abschluss erreichen. Die Weltgemeinschaft will Gewissheit, ob das iranische Nuklearprogramm friedlich ist und bleibt. Im Gegenzug sollen schrittweise alle der für den Gottesstaat schmerzhaften Wirtschaftssanktionen aufgehoben werden.
Mehrwöchige Verhandlungen bis 20. Juli erwartet
Beide Seiten signalisierten Entschlossenheit, die verbleibenden Differenzen in den voraussichtlich mehrwöchigen Verhandlungen in Wien auszuräumen. „Wir haben bis zum 20. Juli Zeit, die sollten wir alle nutzen“, sagte der iranische Außenminister Mohammad Javad Zarif. Nach Aussage eines hohen US-Regierungsbeamten soll jeder einzelne Tag für intensive Gespräche genutzt werden. In einem Übergangsabkommen im November des vergangenen Jahres in Genf hatten sich die Beteiligten auf diese Frist geeinigt.
Strittig ist noch die Menge der erlaubten iranischen Urananreicherung auf bis zu 5 Prozent. Auch die Anzahl der Zentrifugen im Land sehen die Gesprächspartner nach wie vor kontrovers. Je weniger Zentrifugen im Einsatz sind, desto länger bräuchte der Iran im Falle eines Vertragsbruchs zur Herstellung von Atomwaffen. Auch der Schwerwasserreaktor Arak in Zentraliran, dessen Plutonium zum Bau von Atomwaffen verwendet werden könnte, ist ein Streitpunkt.
„Wir haben bereits alles Mögliche unternommen, um die Sorgen der Gegenseite zu zerstreuen“, sagte Zarif. Nun zähle die Kulanz der Gegenseite, um diesen Streit ein für alle Mal zu beenden, so der Minister. US-Außenminister John Kerry appellierte in der „Washington Post“ kurz vor dem Beginn der Gespräche an die iranische Führung, die „historische Chance“ zu einer Einigung im Atomstreit nicht zu vergeben. Sollte Teheran sein Nuklearprogramm jedoch nicht umfassend anpassen, würden die internationalen Sanktionen verschärft und die internationale Isolation des Iran verstärkt.
Irak-Gefechte könnten Einigung begünstigen
Die jüngsten Entwicklungen im Irak werden wohl eine Rolle in den Atomverhandlungen spielen. Im Kampf gegen die Terrormiliz Isis scheint eine Zusammenarbeit zwischen den jahrzehntelangen Erzfeinden Iran und USA immer notwendiger. Die USA und andere westliche Länder bemühen sich darum, einen Zerfall des Landes zu verhindern. Wie die „New York Times“ unter Berufung auf US-Regierungsvertreter berichtete, unterstützt auch der Iran die irakische Regierung unter anderem mit Aufklärungsdrohnen.
Teheran scheint dies als Hebel bei den Atomverhandlungen nutzen zu wollen: „Falls wir im Atomstreit nicht zu einer Einigung kommen, könnte das auch negative Auswirkungen in der Region haben“, sagte Zarif in Richtung Washington. (APA/dpa)
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