Lifestyle

Von der Gartenlaube bis zu Lounge

Ganz traditionell gibt sich das Gartenhaus von Gartana...
© Gartana

Der Nebenwohnraum im Garten wird immer spektakulärer und elitärer, sodass damit die klassischen Gartenhäuschen längst in den Schatten gestellt werden, obwohl auch sie ihren Charme haben.

Von Ursula Philadelphy

Innsbruck –Glas als tragender Bauteil – eine Spezialität des Vorarlberger Glasbauers Marte und beileibe nicht nur in elitären Architekturen für Luxusvillen oder bei institutionellen Großbauten zu finden. Nein, auch für ein Gartenhäuschen kann so ein Glasbau eingesetzt werden, dann ist es allerdings nicht mehr länger ein Gartenhäuschen, sondern nennt sich „Pavillon 360“, ist rundherum transparent und wurde vom Münchner Architekturbüro Nuyken von Oefele entworfen. Selbstverständlich samt hängendem französischem Kamin und im Boden versenkbarem Kühlschrank. Noblesse oblige. Und nachdem man dafür auch bereits beim Kampf um einen „red dot design award“ ehrenvoll erwähnt wurde, gilt der Pavillon zurzeit als angesagtestes Requisit für einen weitläufigen Garten.

Ähnlich hip ist zweifellos der Entwurf des deutschen Designers Nils Holger Moormann, der alle Inhalte bei seiner „ungewöhnlich proportionierten Streichholzschachtel“ sichtbar inszeniert. Seine Box, die zwar breit und hoch, aber nur sehr schmal ist und doch vom Schubkarren bis zu Rechen, Schaufel, Vogelhaus, Gartenschlauch und Blumentöpfen alles beherbergen kann, hat eine Unmenge verschieden großer Schaufenster, die quasi Schwung in die Außenhaut der Bude bringen. Und wenn sich der müde Gärtner ausruhen will, dann stehen ihm die Koje zu ebener Erde oder ein Hochsitz bei geöffnetem Glasschiebedach zur Verfügung. Herz, was willst du mehr als dieses sehr spezielle Gartenobjekt?

Wie ein altes Gewächshaus gibt sich im Gegensatz dazu „Garden Shed“ von Kekkilä. Die vordere Hälfte ist aus Glas, besticht durch leichte, fast schon filigrane Transparenz mit einem Hauch von altmodischem Touch trotz aller Geradlinigkeit – das Palmenhaus in Schönbrunn schaut natürlich anders aus. Der hintere Teil des „Garden Shed“ ist allerdings erstens in Segmenten erweiterbar und zweitens blickdicht. Vorne lebt man im Garten und hinten sammelt sich, vor kritischen Blicken geschützt, all der Kramuri, den Gärtner so unabdingbar für ihr Ganzjahresleben brauchen.

...der Pavillon 360 besticht mit filigraner Transparenz.
© Glas Marte

Das Gartenhaus ist aber längst schon über den Geräteschuppen hinausgewachsen. Es wird zur Wohnbox, zur Gartenlounge, zum Atelier, zum Gästehaus oder zum Rückzugsort und ist ein immerwährendes Thema für jeden, der mehr als 200 Quadratmeter Grün sein Eigen nennt. Ein Thema aber auch für Architekten, denn die Anforderungen, die nicht selten an so ein Gartenhaus gestellt werden, gehen weit über das hinaus, was 08/15-Modelle aus dem nächsten Baumarkt zu bieten haben. Die High-End-Kategorie, die elegant, sehr edel und sehr teuer rüberkommt, ist aber auch nicht jedermanns Sache.

Wenige Quadratmeter müssen überzeugen und sind nicht selten Lebensraum und Stauraum zugleich. Wer sich nicht ganz entscheiden kann und Holz schätzt, ist bei den Handwerkern im Bregenzerwald gut aufgehoben, denn von dort stammt das multifunktional einsetzbare Modulsystem „Jodok“. Mit dem Slogan „im Freien zu Hause“ präsentiert sich „Jodok“ als Gartenpavillon, der Stauraum, Lebensraum und Freiraum in einem ist. Alles hängt nur davon ab, wie man die einzelnen Module miteinander verknüpft. Das Basismodell besteht ganz simpel aus den Grundelementen Wand, Boden und Decke – die sind aber variabel. Mittels Schiebetüren lässt sich das Haus bis zur Qualität eines Pavillons öffnen, individuelle Anpassungen mit Schränken – die Palette reicht vom Geräteschrank über den Allroundschrank bis zum Teeküchenschrank –, aber auch Anzahl und Konfiguration der Schränke lassen das Haus ganz individuell entstehen, und durch das Modulsystem sind auch nachträgliche Änderungen kein Problem.

Ganz traditionell und sehr funktional gibt sich das Modell von Gartana, mit Pultdach und beliebig konfigurierbaren Fenstern und Türen. Etwas komplexer und doch minimalistisch ist der Entwurf des schwedischen Designers Jonas Wagell. Sein Minihaus hat nur 15 m² Nutzfläche, erinnert formal an die einfachen Häuser im so genannten Wilden Westen, hat ebenso wie diese Häuser eine Terrasse samt Vordach und bietet nicht nur einen Wohnraum, sondern auch Dusche, WC und eine Küchenzeile.