Deutsche IG Metall beginnt Warnstreik-Woche in der Stahlindustrie

Düsseldorf (APA/Reuters) - In den stockenden Tarifverhandlungen für die deutsche Stahlindustrie will die IG Metall den Arbeitgebern mit Warn...

Düsseldorf (APA/Reuters) - In den stockenden Tarifverhandlungen für die deutsche Stahlindustrie will die IG Metall den Arbeitgebern mit Warnstreiks Beine machen. Den Auftakt hätten am Dienstag hunderte Mitarbeiter des finnischen Edelstahlproduzenten Outokumpu im hessischen Dillenburg und von Weltmarktführer ArcelorMittal im brandenburgischen Eisenhüttenstadt gemacht, teilte die Gewerkschaft mit.

In den kommenden Tagen sollen auch Stahlkocher bei den deutschen Branchenführern ThyssenKrupp und Salzgitter kurzfristig in den Ausstand gehen. Der nordrein-westfälische IG Metall-Chef Knut Giesler schloss selbst unbefristete Streiks nicht aus, sollte es in der nächsten Verhandlungsrunde keine Fortschritte geben.

„Wenn wir nächste Woche nicht durch die Türe kommen, dann wird die nächste Eskalation gestartet“, sagte Giesler der Nachrichtenagentur Reuters nach dem Ende der dritten Runde am Montagabend in Düsseldorf. „Es gibt kein Angebot der Arbeitgeber. Ich finde das eine Unverschämtheit.“ Die Arbeitgeber hätten immer wieder ein Angebot angekündigt, ohne dass es dazu gekommen sei. „Die wissen seit sechs Wochen, was wir wollen.“ Die vierte Verhandlungsrunde ist am 7. Juli in Gelsenkirchen geplant.

Unbefristete Streiks gab es in der Branche seit Jahren nicht mehr. Zwar kam es zu Urabstimmungen, aber spätestens dann einigten sich die Tarifparteien. In der nordwestdeutschen Stahlindustrie hatten die Beschäftigten zuletzt zur Jahreswende 1978/79 unbefristet gestreikt. In dem sechswöchigen Arbeitskampf war es um die Einführung der 35-Stunden-Woche gegangen.

Die Gewerkschaft fordert für die 75.000 Beschäftigen in Nordwestdeutschland und die 8.000 im Osten eine Erhöhung der Löhne um fünf Prozent. Zudem will sie die Vereinbarungen zur Altersteilzeit und zur Beschäftigungssicherung verlängern. Bei der Altersteilzeit muss die jetzige Regelung an die neue Gesetzeslage angepasst werden, wonach Beschäftigte nach 45 Beitragsjahren mit 63 in Pension gehen können. Bei der Beschäftigungssicherung will IG Metall die unbefristete Übernahme von Lehrlingen über 2016 hinaus festschreiben.

Der Verhandlungsführer der Arbeitgeber, Helmut Koch, sagte Reuters, das es am Montag kommender Woche ein Lohn-Angebot geben könnte. Zunächst müsse es aber bei den übrigen Streitthemen mehr Klarheit geben. Erst wenn die Kosten für diese Punkte klar seien, könne eine Lohnerhöhung vorgeschlagen werden. In der Frage der Pension mit 63 wollen die Arbeitgeber beispielsweise nur denjenigen Abfertigungen zahlen, die auch Pensionsabschläge hinnehmen müssen. „Wer eine geringere Rente nach der neuen Rechtslage beziehen sollte, soll auch seine Abfertigung behalten, aber alle anderen nicht.“

Auf grundsätzliche Ablehnung trifft die IG Metall bei den Arbeitgebern mit ihrer Forderung, die Zahl der Werkverträge einzudämmen. In manchen Betrieben habe ein Drittel der Stahlkocher nur Werkverträge, damit gelten für sie nicht die gleichen Bedingungen wie für die Stammbelegschaft. Die Beschäftigung eigener Mitarbeiter solle Vorrang vor dem Einsatz von Fremdfirmen haben. Die IG Metall verlangt ein Mitspracherecht. Die Arbeitgeber wollen jedoch in dieser Frage das Entscheidungsrecht behalten. „Wir sind grundsätzlich der Meinung, das wir eine tarifliche Regelung für Werkverträge nicht brauchen. Wenn überhaupt, dann bleibt die Entscheidungsfreiheit beim Unternehmen“, betonte Koch.