Krumschnabel nach Rauswurf: „Vorwärts ist leider Geschichte“
Die gestern ausgeschlossene Andrea Krumschnabel könnte bereits nach dem Sommer bei einem anderen Landtagsklub andocken.
Innsbruck –Klubchef Hans Lindenberger reagiert empört: „Nein, keinesfalls bin ich für die Streitigkeiten bei Vorwärts Tirol verantwortlich. Das weise ich entschieden zurück.“ Der ehemalige SPÖ-Landesrat (2006 bis 2008) hatte als Spitzenkandidat der neuen bürgerlichen Liste Vorwärts Tirol bei der Landtagswahl im April 2013 vier Mandate oder 9,54 Prozent erreicht. Doch seit damals wird gestritten: um Mandate, um Geld, intern und vor Gericht. Zwischen Ex-LR Anna Hosp (VP) und Innsbrucks BM Christine Oppitz-Plörer und dem Lindenberger-Lager, damals noch mit Andrea Krumschnabel, flogen die Fetzen.
Nach einem Einigungsparteitag im Dezember wollte der neue Parteichef Hansjörg Peer Vorwärts wieder in politisch ruhige Gewässer führen. Hosp und Oppitz-Plörer zogen sich zurück, aber Lindenberger blieb Klubobmann. Im Frühjahr spitzte sich dann der Konflikt intern zu. Beiräte verließen den Landtagsklub, nach der Kündigung einer Mitarbeiterin eskalierte die Situation. Krumschnabel wollte vermitteln und stand plötzlich selbst im Zentrum der Diskussionen. Wegen parteischädigenden Verhaltens wurde ihr sogar ein Schiedsgerichtsverfahren angedroht. „Offenbar ist Lindenberger nicht in der Lage, gemeinsam Konflikte zu lösen. Er ist nicht teamfähig. Solche Leute wie er haben in der Politik nichts verloren“, betont Krumschnabel.
Nur: Die Frau des Kufsteiner Bürgermeisters hatte intern keine Verbündeten und war isoliert. Schließlich stellte sie Lindenberger dann noch als Klubobmann in Frage. Seine Führungsschwäche im Klub sei derart augenscheinlich, „dass schon seit dem Einigungsparteitag nicht nur ein Vorstandsmitglied, sondern auch drei Beiratsmitglieder zurückgetreten sind“, fügt Krumschnabel hinzu.
Bei der Generalversammlung am Samstag wurde noch Einigkeit demonstriert und der Deckel auf einem brodelnden Kochtopf gehalten, Montag wurde Krumschnabel dann vor vollendete Tatsachen gestellt und ausgeschlossen. „Ich war schon überrascht, aber ich bin auch erleichtert. Vorwärts hätte eine Chance gehabt, jetzt ist das Projekt gescheitert. Das bedauere ich.“ Krumschnabel will jetzt als freie Mandatarin im Landtag Politik machen und „mit allen Fraktionen zusammenarbeiten“. Sie schließt aber nicht aus, dass sie einmal bei einer anderen Landtagsfraktion andockt. Dafür würde es jedoch die Zustimmung des Landtags benötigen. „Das ist Zukunftsmusik, aber natürlich würde ich lieber in einem Team arbeiten.“
Lindenberger spricht von einer klaren Angelegenheit und weist Krumschnabels Aussagen zurück. „Sie war bei den Sitzungen nicht mehr anwesend, alles ist dokumentiert. Die Zusammenarbeit ist nicht mehr sinnbringend gewesen.“ Dass die Beschlüsse über Krumschnabels Ausschluss sowohl im Klub als auch in der Partei einstimmig gefallen seien, sage wohl alles. „Nicht wir, sondern Krumschnabel trägt die Verantwortung.“ Gemeinsam mit Josef Schett und Maria Zwölfer wolle er den Weg einer konstruktiven Landtagsarbeit weitergehen.
Parteichef Hansjörg Peer beurteilt die Situation nüchtern. „Es erfolgte eine Trennung, die Abstimmungen waren eindeutig.“ Wenn es nicht mehr gehe, sei dies der beste Weg. Peer schließt eine Zusammenarbeit mit Krumschnabel im Landtag nicht aus, „aber unter anderen Voraussetzungen. Weil sie ja nicht mehr Parteimitglied ist.“ Nachsatz: Keinesfalls sei Vorwärts als Partei Geschichte. (pn)
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