Euro-Industrie büßt Tempo ein - Frankreich schwächelt
Berlin (APA/Reuters) - Der Industrie in der Eurozone geht zum Sommeranfang leicht die Puste aus. Während die deutschen Betriebe im Juni so l...
Berlin (APA/Reuters) - Der Industrie in der Eurozone geht zum Sommeranfang leicht die Puste aus. Während die deutschen Betriebe im Juni so langsam zulegten wie seit Oktober nicht mehr, drosselten die Firmen in Frankreich sogar erstmals seit fünf Monaten ihre Produktion, wie das Markit-Institut am Dienstag unter Berufung auf eine Umfrage unter 3.000 Unternehmen mitteilte.
„Frankreichs Industrie legt wieder den Rückwärtsgang ein“, sagte Markit-Ökonomen Tim Moore. Die Betriebe strichen zum dritten Mal in Folge Jobs, während die Industrie im Euroraum insgesamt Stellen aufbaute.
Zuletzt hatte die Konjunktur in den 18 Ländern an Fahrt gewonnen, weil einige Krisenstaaten sich aus der Rezession kämpften. Nun aber zeichnet sich eine Verlangsamung ab. Markits Einkaufsmanager-Index für die Industrie im Euroraum sank im Juni um 0,4 auf 51,8 Zähler. Das Barometer signalisiert mit einem Wert über der 50-Punkte-Marke zwar immer noch Wachstum. Es fiel aber auf den tiefsten Stand seit sieben Monaten. Die Daten dürften laut Markit „Bedenken auslösen, dass der Aufwärtstrend der Eurozone an Kraft verliert“.
Auch in Deutschland hätten viele Firmen ihre Produktion jüngst an die nachlassende Auftragsdynamik anpassen müssen, erklärte das Institut. Das Exportwachstum flachte merklich ab. Die Nachfrage aus China zog noch am deutlichsten an. In der Volksrepublik wuchs die Industrie im Juni erstmals nach sechs Monaten wieder. Der HSBC-Einkaufsmanagerindex kletterte um 1,3 auf 50,7 Punkte. „Die Wirtschaft ist über den Berg, aber es wird noch eine Weile dauern, bis sich die Erholung weiter ausbreitet“, sagte HSBC-Expertin Julia Wang in Hongkong.
Den deutschen Maschinenbauern machen politische und wirtschaftliche Krisen in vielen Entwicklungs- und Schwellenländern weiter zu schaffen. Vor allem Brasilien, Russland und Indien bereiteten mit Auftragsrückgängen von bis zu 22 Prozent Probleme, sagte Ralph Wiechers, Chefvolkswirt des Branchenverbandes VDMA. Aber auch in der Türkei, in Chile und der Ukraine schrumpften die Bestellungen. Insgesamt sank das Neugeschäft im Mai um zwei Prozent binnen Jahresfrist.
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