„Der Vorleser“ von Bernhard Schlink war auch als Film umstritten
Berlin (APA/dpa) - Kate Winslet bekam für ihre grandiose Darstellung einer früheren KZ-Aufseherin in Bernhard Schlinks Weltbestseller „Der V...
Berlin (APA/dpa) - Kate Winslet bekam für ihre grandiose Darstellung einer früheren KZ-Aufseherin in Bernhard Schlinks Weltbestseller „Der Vorleser“ 2009 den Oscar als Beste Hauptdarstellerin. Bei der Umsetzung des deutsch-amerikanischen Projekts unter Erfolgsregisseur Stephen Daldry („The Hours“) gab es aber zahlreiche Hürden. Das Werk des Autors, der am 6. Juli seinen 70er feiert, stieß auch auf heftige Kritik.
So hatte ursprünglich Nicole Kidman die Hauptrolle übernehmen sollen, sagte dann aber wegen einer Schwangerschaft ab. Die Produzenten Sydney Pollack und Anthony Minghella starben 2008 im Verlauf der Dreharbeiten, später sprang der Oscar-prämierte Produzent Scott Rudin von dem Projekt ab und ließ seinen Namen aus dem Filmabspann streichen.
Autor Bernhard Schlink war schon 1999 bei der Vorstellung seines Buches in der populären TV-Show von Oprah Winfrey in die Zwickmühle geraten, als ihm aus dem Publikum „Aufruf zum Kindesmissbrauch“ vorgeworfen wurde. Die US-Fernsehzuschauer erregten sich über die offenherzige Liebesgeschichte zwischen der 36-jährigen Hanna und dem erst 15-jährigen Schüler Michael.
Die Kritik am Film lobte dann Kate Winslets brillantes Spiel, warf den Verantwortlichen jedoch vor, auf Mitleid mit der ehemaligen KZ-Wärterin zu setzen. Mark Weitzman, Leiter des New Yorker Simon-Wiesenthal-Zentrums, formulierte es so: „Es geht um eine Frau, die verantwortlich ist für den Tod von 300 Juden - und ihre größte Scham ist es, Analphabetin zu sein.“
Gedreht wurde der Film vor allem in Berlin und Görlitz. Buchautor Schlink, der am Sonntag (6. Juli) 70 Jahre alt wird, hat einen kleinen Gastauftritt in dem Gartenlokal in der Sächsischen Schweiz, zu dem Hanna und ihr junger Geliebter auf ihrem Fahrradausflug kommen. Schlink sitzt da am Nebentisch.
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