Stichwort - Aktivitäten deutscher Autobauer in Nordamerika
München (APA/Reuters) - Mexiko ist die verlängerte Werkbank der Autoindustrie in den USA. Branchengrößen aus aller Welt fertigen dort Fahrze...
München (APA/Reuters) - Mexiko ist die verlängerte Werkbank der Autoindustrie in den USA. Branchengrößen aus aller Welt fertigen dort Fahrzeuge, im Schlepptau haben sich zahlreiche Zulieferer angesiedelt. Mexiko lockt die Hersteller mit der Nähe zu den Vereinigten Staaten, dem zweitgrößten Pkw-Markt der Welt, und auch zu den Hoffnungsmärkten Lateinamerikas.
Nach Norden in den NAFTA-Raum wie nach Süden in die Mercosur-Staaten lässt sich von dem mittelamerikanischen Land aus dank Freihandelsabkommen einfach und kostengünstig exportieren. Vor Ort sind die niedrigen Lohnkosten attraktiv für die Hersteller. Zudem können sie sich durch die Produktion im Dollarraum gegen Währungsschwankungen absichern. Auch die deutschen Konzerne haben die Vorzüge Mexikos längst erkannt. Es folgt ein Überblick über ihre Aktivitäten:
BMW:
Der Münchner Konzern will noch diese Woche den Bau einer Autofabrik in Mexiko ankündigen. In dem Werk sollen Insidern zufolge kleine Modelle der Marke BMW gefertigt werden, um sie von dort aus zu exportieren. In Branchenkreisen wird eine Jahreskapazität von 150.000 Autos erwartet. Den neuen Standort lasse sich der Oberklasse-Hersteller mindestens eine Milliarde Euro kosten, hieß es aus dem Umfeld der mexikanischen Regierung. Zulieferer gehen davon aus, dass die Produktion Ende 2017 startet.
In Amerika sind die Bayern seit 20 Jahren aktiv: Seit 1994 produzieren sie in Spartanburg im US-Bundesstaat South Carolina. Rund 1.100 Fahrzeuge - Geländewagen der X-Reihe - werden dort täglich gefertigt, das sind knapp 300.000 im Jahr. Mit Hilfe von Investitionen von einer Milliarde Dollar (732,2 Mio. Euro) soll die Kapazität bis 2016 auf 450.000 Autos pro Jahr steigen. Damit wird das US-Werk zum größten BMW-Standort weltweit. Künftig wird dort auch der neue X7 gefertigt - Kunden aus aller Welt hätten nach einem Riesen-Geländewagen mit drei Sitzreihen gefragt, sagt BMW. Mehr als 70 Prozent der in Spartanburg gebauten Fahrzeuge werden nach Firmenangaben exportiert. In den USA, nach China der zweitgrößte Automarkt der Welt, steigerte BMW im vergangenen Jahr den Absatz auf fast 377.000 Autos. Besonders gefragt seien die Modelle 3er, 4er, 5er und die Geländewagen.
In Südamerika zieht BMW derzeit für mehr als 200 Mio. Euro eine Fertigung in Brasilien hoch. Die Produktion soll Ende 2014 starten. Künftig sollen dort bis zu 30.000 Autos - die Modelle Mini Countryman, BMW 1er, 3er, X1 und X3 - pro Jahr montiert werden.
Volkswagen:
VW baut seit 50 Jahren Autos in der mexikanischen Stadt Puebla südöstlich von Mexiko-Stadt und beschäftigt dort mehr als 15.000 Menschen. 2013 wurde in Silao im zentralmexikanischen Bundesland Guanajuato ein Motorenwerk mit 600 Beschäftigten eröffnet. Puebla ist die größte Automobilfabrik in Mexiko und zugleich eines der größten Pkw-Werke des Wolfsburger Konzerns. Von den mehr als einer halben Million im Jahr 2013 produzierten Fahrzeugen der Modelle Jetta, Golf Kombi und Beetle gingen über 80 Prozent in den Export, vor allem in die USA. Etwa zehn Prozent der Wagen werden nach Südamerika geliefert. Seit kurzem läuft in Puebla auch der neue Golf 7 für den amerikanischen Markt vom Band, der nach dem neuen Baukastensystem von VW gebaut wird. In Argentinien und Brasilien betreibt Volkswagen ebenfalls große Automobilwerke.
In den USA unterhält VW seit 2011 ein eigenes Werk. In Chattanooga im Bundesstaat Tennessee läuft der speziell für den Geschmack der Amerikaner entwickelte Mittelklassewagen Passat vom Band. Das Werk soll Firmenkreisen zufolge demnächst den Zuschlag für ein zweites Modell bekommen, den neuen Geländewagen Cross-Blue. Um die Produktion des Wagens hatte sich auch Mexiko beworben.
Audi:
Die VW-Tochter legte im Frühjahr 2013 den Grundstein für ein Werk im mexikanischen San Jose Chiapa - Audis erste eigene Autofabrik in Nordamerika. Ab 2016 soll dort der Geländewagen Q5 für den Weltmarkt gebaut werden. Die Produktionskapazität beläuft sich laut früheren Angaben auf bis zu 150.000 Autos pro Jahr. In Mexiko verkaufte Audi 2013 knapp 12.000 Autos, in den USA gut 158.000 Autos. In Brasilien fahren die Ingolstädter nach mehrjähriger Unterbrechung die Fertigung wieder hoch. Ab 2015 sollen dort der A3 und der Geländewagen Q3 produziert werden.
Daimler:
Daimler und Renault-Nissan bauen an einem schon länger bestehenden Nissan-Standort in Aguascalientes im Norden Zentralmexikos eine Fabrik für Kompaktwagen. Ab 2017 soll ein neues Infiniti-Modell vom Band laufen. Der französisch-japanische Konzern plant drei Modelle. Die Stuttgarter halten sich noch bedeckt, welche Neuheiten ihrer Kompakt-Familie von A- und B-Klasse, CLA und dem Mini-SUV GLA sie ab 2018 in Mexiko produzieren wollen. Die Investition von rund einer Milliarde Euro teilen sich die Konzerne je zur Hälfte. Bis 2021 soll das Werk voll ausgebaut sein und mit dann 5700 Beschäftigten jährlich rund 300.000 Fahrzeuge liefern. Daimler will damit vor allem die USA, den größten Einzelmarkt von Mercedes, beliefern. Im vergangenen Jahr verkaufte die Marke mit dem Stern rund 335.000 Fahrzeuge und gut 9.000 mal den Stadtflitzer Smart.
~ ISIN DE0005190003 DE0007664039 DE0006757008 DE0007100000 WEB http://www.bmwgroup.com/
http://www.daimler.com ~ APA528 2014-07-01/16:49
Kommentare