Dem Waldrastlift droht das Aus
Die Zukunft der Traditionsanlage am Fuße Ehrenbergs ist durch den Rückzug des Eigentümers Tourismusverband ungewiss. Gemeinden könnten in die Bresche springen.
Von Hans Nikolussi
Ehenbichl, Reutte – Während Optimisten noch von einer Flutlichtanlage und von Nachtskilauf in der Waldrast träumen, zeigen sich bei den für den Alpinskisport verantwortlichen Funktionären und auch den Bürgermeistern im Talkessel von Reutte tiefe Sorgenfalten. Die Gerüchteküche brodelt, man munkelt über die mögliche Schließung der Anlage an den Hängen von Ehrenberg, auf der Generationen von Skifahrern ihre ersten Versuche auf Bretteln absolvierten. Die Waldrast – im Jahr 2002 vom Tourismusverband gerettet und seitdem mit den Gemeinden Ehenbichl, Reutte, Breitenwang und Pflach für die Gebarung zuständig – hat ihren Betreiber verloren. Die Verantwortlichen im TVB sind nicht mehr bereit, die Abgänge mitzutragen. Obwohl vom Vorstand noch zu Beginn der abgelaufenen Wintersaison ein klares Bekenntnis zur Waldrast kam, hat die Entwicklung des vergangenen Winters mit einer „Null-Einnahmen-Saison“, aber Kosten für Beschneiungsversuche und Personal von Zehntausenden Euro zu einer kritischen Hinterfragung der Wirtschaftlichkeit und damit zu einem definitiven Ausstieg geführt.
TVB-Verbandsobmann Hermann Ruepp nach der aktuellen Sitzung des Aufsichtsrates vom Dienstagabend zur Causa Waldrast: „Der Vorstandbeschluss zum Ausstieg wurde vom Aufsichtsrat vollinhaltlich unterstützt. Wir werden in Hinkunft unser finanzielles Engagement ganz auf den Hahnenkamm und den Schollenweisenlift konzentrieren. Die Waldrast soll als nordisches Zentrum etabliert werden. Die Verantwortung gegenüber unseren Mitgliedern hat uns zu diesem Entschluss gezwungen. Wir sind aber gegenüber zukünftigen Betreibern offen und stellen unsere Infrastruktur einschließlich der Schneekanonen gerne zur Verfügung.“
Standortbürgermeister Wolfgang Winkler, der noch vom Landeshauptmann finanzielle Unterstützung für die Anlage erhalten hatte, sieht im Waldrastlift eine absolute infrastrukturelle Notwendigkeit. Er verweist auf die Unterstützung des Landes für so genannte „Bürgermeisterlifte“ und will um die Weiterführung kämpfen. Winkler sieht sich dabei in guter Gesellschaft mit seinen Amtskollegen vom rechtsseitigen Lechufer in Reutte, Breitenwang und Pflach, die schon bisher Beiträge zum Betrieb des Schleppliftes leisteten. Gerade jetzt, wo die letzte Investitionsrate beglichen sei, ist es für Winkler nicht akzeptabel, eine Schließung der Anlage auch nur anzudenken. „Bei allem Verständnis für die Belange der Ökonomie kommt den Kommunen aber auch die Aufgabe zu, für die skifahrende Jugend und Bevölkerung Anlagen auch dann zu betreiben, wenn der finanzielle Ausblick nicht so rosig ist“, sagt Winkler. Kein großes Verständnis zeigt er für die Vorgangsweise des Tourismusverbandes Naturparkregion Reutte. Habe man doch durch die Anschaffung neuer Schneekanonen, eines Pistengerätes und durch die Erweiterung des Liftgebäudes signalisiert, mit einer langfristigen Nutzung rechnen zu können. Das gehe auch aus einem Protokoll des TVB vom Dezember vergangenen Jahres hervor. Der Umschwung kommt für ihn, und auch die anderen Kommunen, daher einigermaßen überraschend. „Wenn“, so Bürgermeister Wolfgang Winkler, „hätte man schon vor drei Jahren, noch bevor man viel Geld in die Hand nahm, die Notbremse ziehen müssen.“