Ringier lehnt Aktionärsbeteiligung der Freunde von „Le Temps“ ab

Genf/Lausanne/Zürich (APA/sda) - Das Schweizer Medienhaus Ringier mit Sitz in Zürich nimmt das Unterstützungskomitee „Freunde von Le Temps“ ...

Genf/Lausanne/Zürich (APA/sda) - Das Schweizer Medienhaus Ringier mit Sitz in Zürich nimmt das Unterstützungskomitee „Freunde von Le Temps“ vorerst nicht in den Kreis der Aktionäre der Westschweizer Tageszeitung auf. Ringier will zudem die Entscheidung der Wettbewerbskommission (Weko) abwarten, bevor man über die weitere Zukunft der Redaktion befindet.

Die Aktionärsstruktur der Westschweizer Tageszeitung „Le Temps“ solle angesichts der strukturellen Herausforderungen der Medienbranche bewusst schlank gehalten werden, teilte Ringier am Dienstag mit. Deshalb habe Ringier nach eingehender Prüfung entschieden, die Aktionärsstruktur nach Genehmigung durch die Weko nicht um zusätzliche Investoren zu erweitern.

So sei man insbesondere mit dem Unterstützungsverein „Le Cercle des amis du Temps“ nach intensiven Gesprächen übereingekommen, die private Trägerschaft nicht in den Aktionärskreis von „Le Temps“ mit aufzunehmen. Laut Ringier gingen dem Entscheid mehrere Gespräche mit den Co-Präsidenten des Vereins, dem ehemaligen Genfer Staatsrat Olivier Vodoz und dem früheren Staatssekretär Charles Kleiber, voraus. Diese „wertvollen Kontakte“ wolle man aufrechterhalten.

Der „Freunde von Le Temps“ bedauerten in einer Mitteilung vom Dienstag zutiefst, dass Ringier es abgelehnt habe, ihr Angebot einer Minderheitsbeteiligung anzunehmen. Sie zeigten sich überzeugt, dass die Verhandlungen mit Ringier an der Frage einer allfälligen Fusion der Redaktionen von „Le Temps“ und „L‘Hebdo“ sowie dem Zusammenzug der beiden Redaktionen in Lausanne gescheitert sind.

Ringier hielt dagegen fest, dass bis zum Abschluss der Prüfung durch die Weko keine Entscheidungen bezüglich einer allfälligen Neuorganisation oder gar eines Standortwechsels der Redaktion von „Le Temps“ getroffen würden. Bisher sei nichts entschieden.

Daniel Pillard, Direktor von Ringier Romand, sagte auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda, es sei niemals die Absicht von Ringier gewesen, die Redaktionen von „Le Temps“ und „L‘Hebdo“ zu fusionieren. Der Herausgeber wolle aber Synergien freilegen und sich alle Türen offen halten, namentlich was den Standort eines möglichen „Newsrooms“ betreffe. „Wir sind auf der Suche nach einem Modell, entschieden ist aber noch nichts“, unterstrich Pillard.

Pillard rechnet noch vor August mit einem positiven Entscheid der Weko. Nach den Schulferien seien Gespräche mit den einzelnen Redaktionen geplant. Die Aktionärsstruktur würde neu wie folgt aussehen: ER Publishing (zu 100 Prozent im Besitz von Ringier) hält 92,456 Prozent (der Aktien), der Genfer Bankier Claude Demole 3,048 Prozent, die Redaktion und das Personal von „Le Temps“ 2,4 Prozent und die Societe Editrice du Monde SAS 2,096 Prozent.

Die beiden Medienhäuser Ringier und Tamedia waren bisher mit je 46,2 Prozent an „Le Temps“ beteiligt gewesen. Am 8. Oktober 2013 gaben sie ihre Verkaufsabsichten bekannt. Im April 2014 unterzeichnete Ringier schließlich einen Kaufvertrag mit Tamedia, wonach Ringier den bisher von Tamedia gehaltenen Anteil an ER Publishing übernimmt und damit Alleinaktionärin von ERP und mithin indirekte Mehrheitsaktionärin der Westschweizer Tageszeitung „Le Temps“ wird.

Der Unterstützungsverein „Cercle des Amis du Temps“ hatte ebenfalls ein Kaufangebot eingereicht, das jedoch nicht berücksichtigt wurde. Dem Verein hatten sich bis im April mehr als 700 Mitglieder angeschlossen.

„Le Temps“ ist die einzige überregionale Zeitung der Romandie. Ihr kommt trotz einer eher kleinen Auflage von 39.716 Exemplaren bei 109.000 Lesern eine große Bedeutung zu. Entsprechend reagierte die Romandie auf die Verkaufsabsichten.

Ringier will mit der traditionsreichen Qualitätszeitung die strategische Position in der Romandie verstärken und die bisherige Palette französischsprachiger Produkte, darunter „L‘Hebdo“, „L‘illustre“, „TV8“ und „edelweiss“, ausbauen. Der Journalistenverband Impressum forderte Ringier am Dienstag auf, seine Versprechen zu halten und in den Ausbau der Zeitung zu investieren und die Arbeitsplätze zu erhalten.