Teheran zu Irak: Volle Unterstützung, aber keine Soldaten
Bagdad/Teheran (APA/AFP) - Die Schiiten im Iran und im Irak unterhalten historisch enge Beziehungen, und Teheran ist ein enger Verbündeter d...
Bagdad/Teheran (APA/AFP) - Die Schiiten im Iran und im Irak unterhalten historisch enge Beziehungen, und Teheran ist ein enger Verbündeter des schiitischen Ministerpräsidenten Nuri al-Maliki. Vielen Sunniten im Irak gilt al-Maliki gar als Marionette des Iran, und auch im Westen ist die Idee verbreitet, dass Teheran die Fäden im Nachbarland in der Hand hält.
Wie eng sind die Beziehungen zwischen Iranern und Irakern?
Mehr als 90 Prozent der Iraner sind Schiiten und auch im Irak gehören 60 Prozent der Bevölkerung dem schiitischen Glauben an. Täglich pilgern tausende Iraner zu den heiligen Stätten im irakischen Najaf und Kerbela. Doch trotz der gemeinsamen Religion unterscheiden sich Iraner und Iraker durch ihre Sprache, Kultur und Identität. Im Iran-Irak-Krieg der 1980er Jahre blieben die meisten irakischen Schiiten Bagdad treu, die iranischen Sunniten Teheran.
Wo liegen die gemeinsamen Interessen beider Länder?
Der Iran hat ein starkes Interesse daran, dass der Irak nicht erneut zur Bedrohung für ihn wird. Er verfolgt das Ziel, dass die Schiiten in Bagdad an der Macht bleiben. Eine Spaltung des Landes in einen schiitischen, einen kurdischen und einen sunnitischen Teil lehnt er ab. Radikale sunnitische Gruppen wie Isis sind sowohl für die Schiiten im Irak wie für Teheran eine Bedrohung. Diese betrachten die Schiiten als Ketzer und trachten danach, deren Heiligtümer zu zerstören.
Wird der Iran Soldaten gegen die Dschihadisten schicken?
Irans Präsident Hassan Rohani hat dem Irak „volle Unterstützung“ im Kampf gegen den „Terror“ versprochen. Sein Außenministerium hat aber die Entsendung von Bodentruppen ausgeschlossen; Medienberichte über iranische Truppen im Irak bestätigten sich nicht. Allerdings gehen Experten davon aus, dass die iranischen Al-Quds-Brigaden an der Ausbildung schiitischer Milizen im Irak beteiligt sind. Auch hat der Iran eingestanden, dass seine „Militärberater“ im Nachbarland tätig sind.
Liefert der Iran den irakischen Streitkräften Waffen?
Medienberichten zufolge landen seit Beginn der Offensive der Dschihadisten im Irak täglich Flugzeuge mit iranischen Waffen, um die bedrängten irakischen Streitkräfte mit Nachschub zu versorgen. Irans Vize-Außenminister Hossein Amir-Abdollahian bot dem Irak an, Waffen „für den Kampf gegen den Terrorismus“ zu schicken, wenn der Irak dies wünsche. Nach seinen Angaben hat Bagdad bisher aber im Iran keine Rüstungsgüter angefragt.
Wie ist das Verhältnis Teherans zu al-Maliki?
Der Schiit Nuri al-Maliki verbrachte in der Opposition gegen den irakischen Machthaber Saddam Hussein mehrere Jahre im iranischen Exil. Als er 2006 zum Regierungschef ernannt wurde, galt er jedoch nicht als ausgesprochener Iran-Freund, sondern als Kompromisskandidat, der auch für die Sunniten tragbar war. Erst als sich das Verhältnis zu den Sunniten verschlechterte, da sie ihm die systematische Ausgrenzung ihrer Volksgruppe vorwarfen, rückte er näher an den Iran heran.
Wie weit wird der Iran al-Maliki unterstützen?
Nach Einschätzung des iranischen Experten Amir Mohebian unterstützt der Iran grundsätzlich „die Wahl der Iraker“, die bei den jüngsten Parlamentswahlen al-Maliki erneut das Mandat zur Regierungsbildung gaben. Zugleich hat Teheran al-Maliki aber wiederholt gedrängt, die Sunniten stärker in die Politik einzubinden. Seit der Eskalation des Konflikts wächst auch aus Teheran der Druck auf ihn, eine Einheitsregierung zu bilden.
Wie wirkt sich der Konflikt auf Irans Stellung in der Region aus?
Die gemeinsame Bedrohung durch die Dschihadisten hat zu einer Annäherung zwischen dem Iran und den USA geführt. Die beiden Länder teilten das „Interesse an der Stabilität und Einheit des Irak“, sagt der US-Experte Ramzy Mardini. Er sieht in der aktuellen Krise daher eine Chance für den Iran, sich wieder als zentraler Akteur in der Region zu etablieren.
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