Festspiele Stockerau: Zahmes „Kuckucksnest“ hinter Gittern

Stockerau (APA) - Die Festspiele Stockerau wagen sich unter der Leitung von Zeno Stanek an ein Stück, das vor allem durch die Verfilmung mit...

Stockerau (APA) - Die Festspiele Stockerau wagen sich unter der Leitung von Zeno Stanek an ein Stück, das vor allem durch die Verfilmung mit Jack Nicholson bekannt wurde: „Einer flog über das Kuckucksnest“ von Dale Wasserman nach dem Roman von Ken Kesey. Der etwas zahm geratenen Inszenierung des Intendanten, die am Dienstagabend Premiere gefeiert hat, hätten jedoch etwas mehr Dynamik und ein paar Striche gutgetan.

Die Geschichte des aufmüpfigen Psychiatriepatienten McMurphy (von Klaus Huhle mit flackerndem Aufbegehren verkörpert), der die Insassenschaft gehörig aufmischt und für Unruhe in der Anstalt sorgt, wird sehr ordentlich, wenngleich ein wenig langatmig als „tragische Komödie“ erzählt. Typenmäßig gut besetzt sind auch alle weiteren Patienten, insbesondere Häuptling Bromden (Horst Heiss) und Schwester Ratched (Elke Hartmann), auch Karl Ferdinand Kratzl findet sich unter den Mitwirkenden. Natürlich ist das Bühnenbild (Andreas Mathes) von einem großen Käfig geprägt, in dem sich das Geschehen abspielt. Die Musik steuert wieder der geniale Karl Ritter bei, der diesmal allerdings nicht selbst live spielt: Clemens Sainitzer (Cello), Philipp Erasmus (Gitarre) und Christoph Pepe Auer (Bassklarinette) sind für den perfekten Easy-Listening-Soundverschnitt zuständig.

Dass sich im Programmheft Art Brut aus Gugging ebenso findet wie der Beitrag eines Psychiaters, der die Frage, was sich seit der Entstehungszeit des Stücks in der Psychiatrie geändert habe, wortreich unbeantwortet lässt, vertuscht ein wenig den gesellschaftskritischen Aspekt. Es geht nicht nur um Psychiatrie, auch nicht um Verständnis und Toleranz, sondern um das Überleben anarchistischen Restwiderstands in Zeiten umfassender Bevormundung. Darin liegt die eigentliche und anhaltend ungebrochene Brisanz der im übrigen ziemlich macholastigen Story. Für 2015 wird bei den Festspielen Stockerau, die heuer ihr 50-jähriges Jubiläum begehen, in Stockerau „Don Camillo und Peppone“ angekündigt. Mit der ursprünglichen Intention, Klassiker der Moderne aufzuführen, hat dies offenkundig nur noch marginal zu tun.

(S E R V I C E - Festspiele Stockerau: Dale Wasserman/Ken Kesey: „Einer flog über das Kuckucksnest“. Regie: Zeno Stanek. Mit Klaus Huhle, Horst Heiss, Elke Hartmann, Karl Ferdinand Kratzl u.a., Vorstellungen bis 9. August, bei Schlechtwetter im Stadtsaal Z2000, Information und Tickets: Tel. 02266 / 67689, www.festspiele-stockerau.at)