Formel 1: Interview - Susie Wolff vor „Super-Super-Chance“

Wien (APA) - Interview mit Susie Wolff, Test- und Entwicklungsfahrerin beim Williams-Formel-1-Team:...

Wien (APA) - Interview mit Susie Wolff, Test- und Entwicklungsfahrerin beim Williams-Formel-1-Team:

Frage: Sie absolvieren am Freitag in Silverstone ihren ersten Formel-1-Auftritt an einem Grand-Prix-Wochenende. Aufgeregt?

Wolff: „Nervös ist man immer. Ich brauche das auch, das bringt Adrenalin. Aber ganz ehrlich, ich bin bereit. Die Barcelona-Tests waren gut, das Team hat mich perfekt vorbereitet.“

APA: Was kommt bei diesem Freitag-Training auf Sie zu?

Wolff: „Es ist in erster Linie wichtig für das Team, was ich in dieser Session mache. Aber ich bin auch ehrgeizig. Das ist meine Chance zu zeigen, was ich kann. Diese Chance bekommen nicht viele. Es ist schon enorm schwierig, überhaupt bis hierherzukommen.“

APA: Der Williams von Einsatzfahrer Valtteri Bottas den Sie pilotieren, ist eines der derzeit schnellsten Formel-1-Autos. Wie hoch war ihr Anteil als Entwicklungsfahrerin?

Wolff (lacht): „Stimmt, ich werde ein ziemlich schnelles Auto haben. Die Entscheidung, zu Mercedes (Motoren, Anm.) zu wechseln, war richtig. Dazu haben wir ein tolles Auto gebaut. Wir sind aber ein Team und arbeiten zusammen. Jeder bei uns hat seinen Job zu erledigen.“

Frage: Sie sind die erste für ein Grand-Prix-Wochenende gemeldete Frau seit zwei Jahrzehnten. Eine Frau am Steuer eines Formel 1 ist immer noch etwas Besonderes. Wie sehr merken Sie das?

Wolff: „Nur bei Interviews, da kommen immer die gleichen Fragen. Aber im Team fühle ich mich sehr wohl. Als Frau musst du eben noch härter arbeiten, um Respekt zu verdienen. Wenn dieser aber einmal da ist, ist das kein Thema mehr. Man muss Leistung bringen, um Teil dieses Teams zu sein. Sonst bin ich nicht mehr hier, das ist mir klar. Das jetzt ist eine Super-Super-Chance. Da muss ich zeigen, was ich kann.“

Frage: Was darf bzw. kann man von Ihnen erwarten?

Wolff: „Jeder denkt, ich muss zeigen, wie schnell ich bin. Aber ich werde sicher nicht auf einen Qualifying-Run gehen. Ich bin ein Teil des Teams und mache das Programm so, wie Valtteri es machen würde. Es geht um ein gutes Setup für das Rennwochenende. Ein sehr wichtiger Teil ist, das Auto in einem Teil zurückzubringen und nicht in 20.“ (lacht)

Frage: Ist es immer noch Ihr großer Traum, in einem Grand Prix zu starten?

Wolff: „Das ist mein klares Ziel. Es wird nicht einfach, da bin ich realistisch. Es wird ein Kampf, denn es gibt so viele andere talentierte Fahrer, die um die gleiche Chance kämpfen.“

Frage: Ihr Mann Toto ist als Mercedes-Motorsportchef unmittelbarer Konkurrent. Wie hoch ist das Konfliktpotenzial in der Familie Wolff?

Wolff (lacht): „Wir fahren bei Williams ja mit Mercedes-Benz-Motoren, das macht es ein bisschen einfacher. Toto freut sich auch über unsere Erfolge. Aber natürlich ist oft einer von uns beiden nicht ganz happy. Gegenseitig ausspionieren würden wir einander nie. Dazu sind wir beide zu professionell.“

Frage: Wie aufwendig und schwierig ist es, ein Formel-1-Auto zu fahren?

Wolff: „Es ist schon kompliziert, daher braucht es Erfahrung und eine gute Vorbereitung. Wenn man das Ziel hat und bereit ist, hart dafür zu arbeiten, ist das aber schaffbar. Es gibt prinzipiell keinen Grund, warum eine Frau nicht im Auto oder im Paddock erfolgreich sein könnte.“

Frage: Und wie bereiten Sie sich selbst auf eine Fahrt im Formel-1-Auto vor?

Wolff: „Die Vorbereitung ist die gleiche wie bei den Männern. Ich sitze allerdings immer relativ früh im Auto um alles zu checken. Das Cockpit ist für mich längst zweite Natur, ich denke nicht darüber nach. Es ist, wie wenn andere an ihren Schreibtisch kommen und den Laptop aufklappen.“