Rumänien - Theologe: Kirche unter Kommunismus „Opfer, nicht Täter“
Wien/Bukarest (APA) - Auch 25 Jahre nach der Wende stellt der Kommunismus in Rumänien aus kirchlicher Sicht laut dem rumänisch-orthodoxen Th...
Wien/Bukarest (APA) - Auch 25 Jahre nach der Wende stellt der Kommunismus in Rumänien aus kirchlicher Sicht laut dem rumänisch-orthodoxen Theologen Radu Preda noch immer ein „hochsensibles Thema“ dar. Zudem sei die Kirche wegen vermeintlicher Verwicklungen mit dem kommunistischen Regime in den letzten Jahren vermehrt angegriffen worden, „dabei war die Kirche Opfer und nicht Täter“, sagte Preda der Kathpress.
Die kirchliche Zurückhaltung bei Fragen der Aufarbeitung der Vergangenheit führt Preda auf zwei Faktoren zurück: Es gebe innerhalb der Kirche immer noch Personen, „die ihre Karriere dem Kommunismus verdanken“. Zudem gebe es zahlreiche Personen, die von der Kirche als Kämpfer gegen den Kommunismus verehrt würden, die jedoch bei genauerer biografischer Betrachtung Kontakte zu faschistischen Gruppierungen wie etwa der Eisernen Garde aufwiesen, so der Theologe. „Man befürchtet also seitens der Kirche, in dieser Frage die Büchse der Pandora zu öffnen“, sagte Preda der seit April das staatliche rumänische „Institut zur Erforschung der kommunistischen Verbrechen und der Erinnerung des Rumänischen Exils“ in Bukarest leitet.
Dabei bestehe eigentlich kein Grund zum Zaudern, ermutigt Preda seine eigene Kirche: „Während des Kommunismus waren 3.000 Kleriker im Gefängnis. Es ist nicht so, dass wir nichts unternommen hätten oder den Kommunismus mit offenen Armen empfangen haben.“ Zugleich müsse man klar sagen, dass die Kirche „einer der ersten Gegner der Kommunisten überhaupt war“ - vor allem angesichts ihrer großen Popularität unter der Bevölkerung. „Die Kirche galt den Kommunisten als Störfaktor, der ausgeschaltet werden musste.“
Eine detaillierte Aufarbeitung der kommunistischen Vergangenheit ist laut Preda auch im Blick auf ein verklärtes Geschichtsbewusstsein in Rumänien erforderlich. So werde der Kommunismus von weiten Teilen der Bevölkerung als „eine Art Tornado, eine Art Naturgewalt“ verstanden, „für die niemand verantwortlich ist“ und nach dessen Durchzug „man nicht mehr auf die Trümmer der Vergangenheit blicken muss, sondern nur nach vorne“. Dies sei eine „Verniedlichung der Geschichte“ und hochgradig gefährlich, da sie die Opfer der Geschichte nicht ernst nehme und Geschichte somit verkürze, so Preda.
Heute sei die rumänisch-orthodoxe Kirche wieder ein wichtiger „Player“ in Rumänien geworden. Die „Aufbruchsstimmung der 1990er-Jahre“ sei heute „einer gewissen Normalität gewichen“, so Preda. Rumänien sei zwar laut Verfassung ein säkulares Land, dennoch müsse man von einer „hinkenden Trennung“ von Staat und Kirche sprechen, insofern der Staat die Dienste der orthodoxen Mehrheitskirche für das Gemeinwohl durchaus zu schätzen wisse und daher um eine kooperative Partnerschaft bemüht sei.
Die in Westeuropa verbreitete Säkularisierung der Gesellschaft im Sinne eines Wegbrechens religiöser und traditioneller Selbstverständlichkeiten sei in Rumänien eher schwach ausgeprägt. „Zu präsent ist noch das traumatische Moment des kommunistischen Atheismus“, so Preda.
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