Gesellschaft

Wenn die Ferien Schule machen

Zehntausende Tiroler Kinder starten morgen in die Ferien. Während sich die meisten darauf freuen, steht für Hunderte Kinder auch im Sommer Büffeln am Stundenplan. Schulpsychologen raten zuerst zur Erholung.

Von Marco Witting

Innsbruck –Endlich Ferien. Kinder, wie die Zeit vergeht. Ab morgen wird für die rund 80.000 Tiroler Schüler ein neues Kapitel aufgeschlagen. Die Schule – zumindest vorerst – abgeschrieben. Raus aus den Klassenzimmern, rein ins Vergnügen. Doch nicht bei jedem herrscht uneingeschränkt Freude. Die Last von schlechten Noten wiegt dieser Tage schwer auf den kleinen Schultern.

Auch wenn die endgültigen Zahlen des Landesschulrats erst heute vorliegen: Wie jedes Jahr werden auch heuer zwischen zehn und zwölf Prozent der Kinder nicht gleich in die nächste Klasse aufsteigen können. Während etliche Kinder die Klasse gleich ganz wiederholen müssen, weil sie zu viele Nicht Genügend im Zeugnis haben, steht auch heuer wohl rund 5500 Kinder eine Wiederholungsprüfung bevor.

Eine Belastung im Sommer – für Kinder und Eltern. Die Leiterin der Schulpsychologie, Brigitte Thöny, erklärt dazu: „Ganz wichtig ist es dabei, die Kinder zu trösten und ihnen den Rücken zu stärken. Kein Kind hat mit negativen Noten eine Freude. Da ist es wichtig zu unterstützen und dann zu besprechen, was man anders machen kann, um die Prüfung zu schaffen.“ Ein genauer Plan sei dabei ganz besonders wichtig, so die Schulpsychologin.

Die Chancen, die Prüfung zu schaffen und in die nächste Klasse aufzusteigen, stehen statistisch gesehen durchaus gut. In den vergangenen Jahren schafften stets rund 60 Prozent der Schüler die viel zitierte und berüchtigte „WH“. Im Vorjahr traten von 1840 Schülern an den weiterführenden Schulen allerdings nur 80 Prozent an. Davon bestanden laut Statistik des Landesschulrats 51,80 Prozent. In den allgemein bildenden höheren Schulen lag die Quote nur bei 46,37 Prozent.

Eine Klasse zu wiederholen, sei jedenfalls kein Beinbruch, so Thöny. „Man kann dem auch etwas Positives abgewinnen. Einige sagen von sich aus, sie möchten die Klasse wiederholen, um dann mitzukommen und nicht ständig negative Noten zu haben.“ Allerdings, so die Expertin, bestehe dabei unter Umständen auch die Gefahr, sich auszuruhen und dann erneut in schulische Schwierigkeiten zu kommen.

Während das Gros der Schüler die Ferien also genießen kann, gilt es den neuerlichen Anlauf im Herbst gut zu planen. Thöny: „Auch hier braucht es Unterstützung der Eltern und einen klaren Plan, bei dem jeden Tag lernen und den Stoff wiederholen angesagt ist.“

Egal wie das Zeugnis auch aussieht, die Experten der Schulpsychologie des Landes raten jedenfalls zu einer Pause. Ganz egal, ob ein sehr gutes oder weniger gutes Zeugnis mit nach Hause gebracht wurde.

„Die Schüler haben zehn Monate lang hart gearbeitet. Jetzt ist der Zeitpunkt, wo einmal vier Wochen Erholung angesagt sind“, sagt Thöny. Dabei sollten die Eltern ihre Kinder auch nicht auf die Schule ansprechen. „Die Kinder sollen jetzt einmal die Ferien genießen.“

Die Zeiten, wo am Zeugnistag böse Überraschungen mit dem Zeugnis ins Haus kommen, seien längst vorbei, erklärt die Expertin. Alle sind informiert. Trotzdem bietet die Schulpsychologie des Landesschulrats Tirol morgen zwischen 10 und 16 Uhr telefonische Hilfestellung (0512/577046) an. „Die Fragen bei diesem Pannendienst gehen mittlerweile eher in Richtung Bildungsberatung oder, wie man die Lernphase im Sommer plant.“