Ukrainische Armee setzt Offensive mit Luftangriffen im Osten fort

Donezk (APA/AFP/dpa) - Mit massiven Luftangriffen hat die ukrainische Armee nach dem Ende der Feuerpause ihre Offensive gegen die prorussisc...

Donezk (APA/AFP/dpa) - Mit massiven Luftangriffen hat die ukrainische Armee nach dem Ende der Feuerpause ihre Offensive gegen die prorussischen Separatisten im Osten des Landes fortgesetzt. Bei der „Anti-Terror-Operation“ würden etwa 120 Stützpunkte der prorussischen Aufständischen unter Feuer genommen, teilte die Armeeführung in Kiew am Mittwoch mit.

„Die Offensive endet erst, wenn der letzte russische Söldner ukrainischen Boden verlassen hat“, sagte Verteidigungsminister Michail Kowal. Medien berichteten über große Schäden in den bombardierten Orten. Die Kämpfe waren am Vortag nach dem Ende einer zehntägigen Waffenruhe wieder aufgeflammt.

Für Mittwochnachmittag sind neue internationale Verhandlungen über eine Lösung des Konflikts geplant. Dazu kommt der deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier in Berlin mit seinen Kollegen aus Frankreich, Russland und der Ukraine, Laurent Fabius, Sergej Lawrow und Pawlo Klimkin zusammen. Bei dem Treffen soll vor allem diskutiert werden, wie eine neue Waffenruhe erreicht werden kann.

Der russische Vize-Außenminister Grigori Karassin sagte vor dem Treffen, die Teilnehmer sollten auch über den Einsatz von OSZE-Beobachtern sprechen. Moskau erhalte sein Angebot aufrecht, dass Teams der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) auf russischem Territorium die ukrainische Grenze kontrollieren könnten, betonte Karassin.

In der Nacht zum Mittwoch griffen prorussische Kämpfer einen ukrainischen Posten an der Grenze zu Russland an. Ein ukrainischen Grenzschützer sei getötet und vier weitere seien verletzt worden, teilte der Grenzschutz mit. Demnach wurden auf den Posten Nowoasowsk in der Region Donezk etwa 20 Mörsergranaten abgefeuert. Mehrere Grenzposten in der Region sind zwischen den ukrainischen Sicherheitskräften und den Separatisten umkämpft. Die Staatsführung in Kiew wirft Russland vor, die Separatisten über die Staatsgrenze hinweg mit Waffen und Verstärkung zu versorgen.

Der ukrainische Geheimdienst SBU meldete unterdessen die Festnahme eines Separatistenführers in Berdiansk im Südosten des Landes. Der selbsternannte Bürgermeister der Rebellenhochburg Gorlowka, Wolodimir Kolosniuk, sei für die Beschaffung von Waffen für die Milizen in der Region Donezk zuständig gewesen.

In einem Café in Berdiansk habe er während des Zugriffs der Einsatzkräfte gerade über den Kauf von Maschinengewehren, Granaten und Sprengstoff im Gesamtwert von 124.000 Euro verhandelt. Kolosniuk muss sich nun nach Angaben des SBU wegen Bildung einer terroristischen Vereinigung verantworten. Ihm wird zur Last gelegt, an Angriffen auf die ukrainischen Streitkräfte beteiligt gewesen zu sein.

Der ukrainische Parlamentschef Alexander Turtschinow sprach in Kiew von Erfolgen der „Anti-Terror-Operation“. Regierungstruppen und Nationalgarde seien dabei, den Osten der Ukraine „effektiv von Terroristen zu säubern und von den Belagerern zu befreien“. Der Berater des ukrainischen Innenministeriums, Sorjan Schkirjak, sprach von etwa 1.000 getöteten Separatisten allein am Dienstag.

Separatisten wiesen dies als „Unsinn“ zurück. „Es gibt schwere Kämpfe, doch wir sind bisher nicht einen Meter zurückgewichen“, sagte der Anführer Waleri Bolotow in Luhansk (Lugansk). „Es wurde eine große Zahl an Militärtechnik und Personalbestand des Gegners vernichtet.“

Der Vizechef des russischen Sicherheitsrats, Jewgeni Lukjanow, warf den USA „gefährliche Zündelei“ in der Ukraine vor. Die prowestliche Führung in Kiew lasse sich ihre Politik von „US-Experten aus der Aufklärungsbranche und den Sicherheitsdiensten“ diktieren, sagte er der Staatsagentur Ria Nowosti. Die Lage sei wie in den 1990er Jahren in Russland, als CIA-Mitarbeiter „fatalen Einfluss“ nehmen wollten auf die Politik des Kreml, kritisierte Lukjanow in Moskau.