Gesellschaft

Die Berge, eine Leidenschaft

Zeitzeuge Wolfgang Nairz begeisterte das Publikum mit launigen Anekdoten.

Innsbruck –Er sorgte am Dienstagabend für einen Besucherrekord bei der Zeitzeugenreihe im Innsbrucker Casino. Wolfgang Nairz – Bergsteiger, Expeditionsleiter, Ballonfahrer, Träger zahlreicher Auszeichnungen für seine alpinistischen Leistungen und sein soziales Engagement für die Bevölkerung Nepals. Charmant, humorvoll und mit großer Bescheidenheit erzählte Nairz von seinem bewegten und bewegenden Leben.

Das Bergsteigen war Nairz, der heuer seinen 70. Geburtstag feiert, in die Wiege gelegt. Von seinem Großvater bekam er Berg­literatur, die er als Bub „auswendig gelernt und viel lieber gelesen hatte als den Karl May“.

Besonders geschichtsträchtig war seine Funktion als Leiter der ersten österreichischen Expedition auf den Mount Everest im Jahre 1978. Dass er der erste Österreicher war, der den höchsten Berg der Welt erklomm, nennt er bescheiden einen „Zufall“. „Ich hatte das Glück, gemeinsam mit Robert Schauer, Horst Bergmann und unserem Sherpa in der ersten Gipfelmannschaft zu sein.“ Fixseile und Versicherungen bis zum Gipfel gab es damals noch nicht. Mit schwerem Gepäck am Rücken mussten sie steile Kletterpassagen bewältigen. „Überglücklich“ machte es Nairz, am höchsten Punkt der Erde zu stehen. Fünf Tage später bestiegen im Rahmen der von Nairz geleiteten Expedition Reinhold Messner und Peter Habeler den Mount Everest ohne Flaschensauerstoff. Eine Weltsensation, die bis zum 8. Mai 1978 als unmöglich erschien.

Seitdem habe sich im Himalaya viel geändert. „Wir hatten noch Funkgeräte vom Bundesheer, die wogen 20 Kilo. Heute telefonieren sie am Gipfel des Mount Everest mit ihren Handys und im Basislager ist ein Internetcafé“, konstatiert Nairz.

Neben dem Bergsteigen ist das Ballonfahren die große Leidenschaft des Tirolers. Zahlreiche Länder bereiste er mit dem Ballon. Insgesamt 2000 Stunden war er unterwegs, um zu dem Schluss zu kommen, dass es „in Tirol am schönsten ist. Nichts ist faszinierender, als mit dem Ballon die Alpen zu überqueren.“ Wie er zum Ballonfahren kam, wollte Elmar Oberhauser wissen. „Mit zunehmendem Alter muss man schauen, dass man leichter in die Höhe kommt“, antwortet Nairz mit einem Augenzwinkern. (dd)