Tiroler Steinwild hat Bock auf die freie Wildbahn
In einer der größten Auswilderungsaktionen wechseln demnächst zehn Steinböcke vom Innsbrucker Alpenzoo in die Hohen Tauern Salzburgs.
Von Christoph Mair
Innsbruck –Auch wenn es ein Abschied wird. Im Innsbrucker Alpenzoo überwiegen Freude und Stolz, dass Anfang kommender Woche zehn Steinböcke das Zoogehege mit der beinahe unbegrenzten Freiheit der Hohen Tauern in Salzburg vertauschen werden.
Bei der Aktion handle es sich um eine der größten Auswilderungen, erzählt Dirk Ullrich, Kurator des Alpenzoos. Die Tiere kommen aus dem Eigenbestand sowie aus Zoos in Salzburg und Augsburg. Der Alpenzoo diene aufgrund der großen Erfahrung als Drehscheibe, die Anfragen aufnimmt, die Tiere beschafft und sie für die Entlassung in die Freiheit vorbereitet. „Seit den späten 80er Jahren haben wir beinahe jährlich Tiere ausgesetzt“, sagt Ullrich. 270 seien es mittlerweile, zu einem Drittel aus eigener Aufzucht, die in freier Wildbahn leben und für Nachwuchs sorgen.
Die ein bis drei Jahre alten Tiere für Salzburg sollen im so genannten Gasthofgebirge nach dem Willen des Jagdpächters eine neue Steinbockkolonie begründen. In Tirol werden hingegen nur noch bestehende Kolonien durch Zusetzungen gestärkt, erklärt Ullrich. „Tirol hat die höchste Steinbockzahl Österreichs.“ 4500 von den über 6000 Stück Steinwild in Österreich würden in Tirol leben. Die größte zusammenhängende Kolonie existiere im Pitztal. Alpenweit wird die Zahl auf 40.000 Tiere geschätzt. Dabei waren die vierbeinigen Meisterkletterer, denen Höhe, Kälte und Steilheit nichts ausmachen, zu Beginn des 19. Jahrhunderts durch die starke Bejagung praktisch ausgerottet. Nur im italienischen Val Paradiso gab es noch ca. 60 Tiere. „Die italienischen Könige haben sie für die ihnen vorbehaltene Jagd schützen lassen“, weiß Dirk Ullrich. Davon ausgehend seien die Steinböcke mit nicht immer legalen Mitteln, u. a. durch Schmuggler, wieder in die Schweiz gekommen, wo sie erstmals 1911 wieder angesiedelt wurden.
Läuft alles wie geplant, werden die Tiere am Montag im Alpenzoo narkotisiert und nochmals untersucht. Nach einer Nacht in der Transportkiste werden sie tags darauf in Salzburg in die Freiheit entlassen. Es sei geplant, weitere Tiere zuzusetzen.
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