Haller Gassenspiele

Um den Verstand spielen

Mit der Komödie „Tumult im Narrenhaus“ sind die Haller Gassenspiele heuer im Innenhof der Burg Hasegg zu Gast.Foto: Haller Gassenspiele/Posch

Irrwitzig Herz und Hirn verlieren: Bei den Haller Gassenspielen herrscht theatralischer „Tumult im Narrenhaus“.

Von Christiane Fasching

Hall –Die Haller Gassenspiele gehen fremd: und machen sich heuer nicht in einem verwinkelten Altstadt-Eck breit, sondern im Innenhof der Burg Hasegg, wo 1981 die Tiroler Volksschauspiele ihren Anfang nahmen. Aber das ist eine andere Geschichte, die ja nur ein Jahr mit Hall verknüpft war, weil sich die Stadtpolitik damals nicht auf das Wagnis einlassen wollte, Felix Mitterers zum Skandal hochstilisiertes Stück „Stigma“ aufzuführen. Auch für die Gassenspiele ist die Burg nur eine Zwischenstation: Schon nächsten Sommer wollen sie ihrem Namen wieder alle Ehre und einem unentdeckten Platzerl oder einer schmucken Gasse theatralisch den Hof machen. Gut so!

Vorerst ist aber die Burg Hasegg das Gassenspiel-Hauptquartier, das auf den ersten Blick nüchtern wirkt. Eine steile Zuschauertribüne aus Stahl beherrscht den Hof, im Vorjahr gab’s noch Holzbankerln. Wo ist nur der zauberhafte Charme geblieben? Auf der Bühne! In der ideen- und temporeichen Regie von Alexander Sackl (Co-Regie: Christina Matuella) dreht sich dort alles ums Durchdrehen, ums Verlieren des Verstands also. Und damit haben in Lope de Vegas Komödie „Tumult im Narrenhaus“ eigentlich so gut wie alle Figuren zu kämpfen. Zum Inhalt: Edelmann Don Floriano hält sich für einen Prinzenmörder und tarnt sich als Verrückter, um in einem Irrenhaus auf Tauchstation gehen zu können. Die schöne Dona Erifila wiederum landet auch hinter den dicken Mauern, weil sie für durchgeknallt deklariert wird, nachdem ihr ausgefuchster Diener sie um ihr Hab und Gut gebracht hat. Und wie’s der Zufall – oder ist es doch das Schicksal? – so will, verlieren die beiden ihr Herz aneinander. Und den Verstand gleich mit, wie’s beim Verlieben halt so Brauch ist. Doch Herzerln blitzen nicht nur bei diesen beiden auf, das Narrenhaus wird zum Tollhaus der Liebe, reihum schlägt Amor zu.

Untermalt werden die amourösen und irrwitzigen Wendungen von zauberhafter Live-Musik, die mal sanft, mal rhythmisch durch den Burghof schwebt, in dem nach Einbruch der Dämmerung fantastische Schattenspiele über das Gemäuer huschen. Hier hat man gerne einen Huscher, und hier spürt man auch, dass das Gassenspiel-Ensemble narrisch gern Theater spielt. Und das meist narrisch gut. Aus der größtenteils mit Laien besetzten Truppe stechen Caroline Mercedes Hochfelner als liebestolle und fluchfreudige Dona Erifila und Georg Mader als wackerer Don Floriano heraus. Markus Knauseder als buckliger und herrlich gespenstischer Pförtner matcht sich mit Martin Moritz als beleibtem und dummdreistem Medizin-Scharlatan um die meisten Lacher. Bei der Premiere am Freitag stand’s unentschieden. Den Vogel schießt aber Michaela Wurzer ab – mit einnehmender Präsenz spielt sie neckisch einen Narren, der sich für einen Papagei hält und vom Eierlegen träumt. Irrsinnig unterhaltsam.