Deutsche Versicherer müssen Provisionen doch nicht offenlegen

Berlin (APA/Reuters) - Deutsche Lebensversicherungskunden sollen auch in Zukunft nicht genau erfahren, wieviel ihr Vermittler an ihrer Unter...

Berlin (APA/Reuters) - Deutsche Lebensversicherungskunden sollen auch in Zukunft nicht genau erfahren, wieviel ihr Vermittler an ihrer Unterschrift verdient. Stattdessen wird eine Kennziffer eingeführt, die den Kunden in Prozent Aufschluss darüber gibt, wie stark ihre Rendite durch die Abschlusskosten geschmälert wird.

Entsprechende Änderungen am Entwurf für ein Lebensversicherungs-Reformgesetz beschloss am Mittwoch der Bundestags-Finanzausschuss mit den Stimmen von Union und SPD. Im ersten Entwurf des deutschen Finanzministeriums hatte es noch geheißen, der Vermittler müsse dem Kunden die Höhe seiner Provision „als Gesamtbetrag in Euro“ mitteilen.

Gegen diese Änderung des Versicherungsvertragsgesetzes war aber die Branche Sturm gelaufen - offensichtlich mit Erfolg. Im Regierungsbündnis wird der Schwenk damit begründet, dass es sehr unterschiedliche Gruppen von Versicherungs-Vermittlern gebe und damit auch eine sehr unterschiedliche Kostenstruktur. So bekommt der einzelne Vermittler bei Banken oder Großvertrieben wie DVAG oder MLP zwar weniger Provision. Doch für den Kunden wird es deshalb nicht billiger als beim Abschluss etwa über einen freien Makler - denn den Rest kassiert das vermittelnde Unternehmen.

Der Ausweis der Provision in Euro hätte deshalb zu Wettbewerbsverzerrungen geführt, heißt es in dem beschlossenen Änderungsantrag. Die neue Lösung, die den Regeln bei der Riester-Rente folgt, mache die Angebote besser vergleichbar. In Kraft treten soll die Bestimmung zum Jahreswechsel 2014/15. Der Deutsche Bundestag will die Versicherungsreform am Freitag beschließen.

Der Grünen-Finanzexperte Gerhard Schick sagte, die Transparenz bei der Vermittlung von Versicherungsverträgen werde durch die Neuregelung „verschlimmbessert“. Die Kennziffer führe in die Irre, weil sie voraussetze, dass der Kunde bis zum Ende der Laufzeit durchhalte - was nur wenigen gelinge. „Ob ein Vermittler ein bestimmtes Produkt verkauft, weil es zum Kunden passt, oder weil es das Konto des Vermittlers aufhübscht, können Verbraucher auch künftig nicht einschätzen.“

Die neuen Vorschriften sind Teil einer Reform, mit der die Lebensversicherer krisenfester gemacht werden sollen. In der Versicherungsbranche wird derzeit ohnehin über die absolute Höhe der Provisionen und sonstigen Abschlusskosten heftig diskutiert. Angesichts niedriger Zinsen fallen sie bei Lebensversicherungen immer stärker ins Gewicht. Je nach Vertriebsweg kassieren die Vermittler 2,5 bis 7 Prozent der Versicherungssumme.