Kampdrohnen - Schattenkrieg mit „Predator“ und „Reaper“

Washington (APA/AFP) - Während Deutschland über die Beschaffung von bewaffneten Drohnen debattiert, gehören unbemannte Kampfflugzeuge in den...

Washington (APA/AFP) - Während Deutschland über die Beschaffung von bewaffneten Drohnen debattiert, gehören unbemannte Kampfflugzeuge in den USA bereits seit Jahren zum Arsenal der Armee und des Auslandsgeheimdienstes CIA. Vor allem Präsident Barack Obama machte Drohnen im Kampf gegen den Terrorismus zur Waffe seiner Wahl und weitete die umstrittenen Angriffe massiv aus.

Die US-Regierung hält viele Informationen über ihr Drohnenprogramm unter Verschluss, Medienberichte und Untersuchungen von Forschern geben aber einen Einblick in den Schattenkrieg.

Welche strategische Rolle spielen die Drohnen für die USA?

Der Einsatz von Drohnen hat die Kriegsführung radikal verändert. Die unbemannten Flugzeuge lassen sich aus der Ferne steuern, die eigenen Verluste können dadurch minimiert werden. Die langen Kampfeinsätze im Irak und in Afghanistan haben das US-Militär zermürbt und die Öffentlichkeit kriegsmüde gemacht. Im Kampf gegen das Terrornetzwerk Al-Kaida und verbündete Gruppen kann Washington mit den Drohnen aus der Luft eingreifen und Bodeneinsätze vermeiden. Außerdem werden die bewaffneten Drohnen eingesetzt, um kämpfenden US-Soldaten Luftunterstützung zu geben.

Wie groß ist die US-Drohnenflotte?

Einer Studie des wissenschaftlichen Dienstes des US-Kongresses vom Jänner 2012 zufolge hat sich die Zahl der Drohnen im US-Militär im vergangenen Jahrzehnt mehr als vervierzigfacht. Offiziell besteht die Flotte demnach aus mehr als 7000 unbemannten Flugzeugen, darunter gut 240 Kampfdrohnen der Modelle „Predator“ und „Reaper“. Im Budgetentwurf für das im Oktober beginnende Haushaltsjahr 2015 veranschlagt das Pentagon knapp 2,5 Milliarden Dollar (1,8 Milliarden Euro) für die Entwicklung und die Beschaffung von Drohnen. Dazu kommt noch das Arsenal der CIA: US-Medien zufolge verfügt der Geheimdienst ebenfalls über dutzende Kampfdrohnen.

Wo sind die US-Kampfdrohnen im Einsatz?

Das wichtigste Schlachtfeld im Drohnenkrieg sind die Stammesgebiete im afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet, die als Rückzugsgebiet für Al-Kaida und die radikalislamischen Taliban gelten. Auch im Jemen und in Somalia jagen die USA mit bewaffneten Drohnen Terroristen. Angesichts des Vormarsches der Dschihadisten im Irak hat sich Obama die Möglichkeit für Luftangriffe offen gelassen, über Bagdad lässt das Pentagon zum Schutz von US-Einrichtungen bereits Kampfdrohnen kreisen. Der „New York Times“ zufolge wurden „Predator“-Drohnen erstmals zur Überwachung der Konflikte auf dem Balkan in den 90er-Jahren eingesetzt.

Werden nur feindliche Kämpfer getötet?

Die genaue Opferzahl der US-Drohnenangriffe liegt im Dunkeln. Doch alleine in Pakistan wurden einer Aufstellung der Denkfabrik New America Foundation seit 2004 zwischen 2000 und knapp 3500 Menschen getötet. Dabei habe es zwischen 258 und 307 zivile Opfer gegeben. Im Jemen dürften laut New America Foundation bis zu eintausend Menschen ums Leben gekommen sein, darunter knapp 90 Zivilisten. Die Drohnenangriffe ebbten zuletzt aber ab, in diesem Jahr wurden aus Pakistan erst drei Attacken gemeldet.

Sind die Drohnenangriffe legal?

Die US-Regierung rechtfertigt die Drohnenangriffe als Teil des Kriegs gegen den Terrorismus, der nach den Anschlägen vom 11. September 2001 vom Kongress autorisiert wurde. Außerdem führt Washington das völkerrechtliche Prinzip der Selbstverteidigung an. Menschenrechtsgruppen kritisieren die gezielten Tötungen ohne vorherigen Prozess dagegen scharf. Die Drohnenangriffe belasten auch die Beziehungen zwischen den USA und Pakistan. Von der Bevölkerung werden die Angriffe wegen der zivilen Opfer scharf abgelehnt. Die Regierung in Islamabad duldet die US-Drohnenpolitik, auch wenn sie die Angriffe offiziell als Verletzung ihrer Souveränität verurteilt.