Bachmann-Preis: Haderlap sprach „Im Licht der Sprache“
Klagenfurt (APA) - Mit der schon traditionellen Klagenfurter Rede zur Literatur, dieses Jahr gehalten von der Kärntner Autorin Maja Haderlap...
Klagenfurt (APA) - Mit der schon traditionellen Klagenfurter Rede zur Literatur, dieses Jahr gehalten von der Kärntner Autorin Maja Haderlap, ist am Mittwochabend im Klagenfurter ORF-Theater die Eröffnung der 38. Tage der deutschsprachigen Literatur abgeschlossen worden. Haderlap befasste sich in ihrer Rede mit mehrsprachigen Lebenssituationen und das Phänomen des literarischen Sprachwechsels.
Sie wolle versuchen, „von einer Peripherie aus, von der deutsch-slowenischen Sprachgrenze, die für Kärnten prägend ist“, darüber nachzudenken. In den vergangenen drei Jahren hätten drei Autorinnen den Bachmann-Preis gewonnen, deren Muttersprache nicht Deutsch ist. Ganze Wissenschaftszweige hätten sich dieses Themas angenommen, eine wahre Flut an Etikettierungen versuche das Phänomen zu erfassen. „Fast scheint es, als wären die in eine Sprache eingewanderten Autoren das Produkt einer internationalen Transaktion, herausgerissen aus ihren sozialen, kulturellen, sprachlichen Verankerungen und an neue Sprachufer gespült.“ Dabei, so die Autorin, könnten die Gründe, die zu einem Sprachwechsel der Autorinnen und Autoren führen würden, unterschiedlicher nicht sein. „Am Ausgangspunkt steht viel zu oft die Flucht vor politischer Verfolgung oder Krieg, die Flucht aus Armut und sozialer Misere, ein Studium, eine neue Arbeit, die Liebe mit ihren nachhaltigen Bindungskräften, eine mehrsprachige Lebenssituation.“
Die ständig sich wiederholenden Fragen nach der Identität der Autoren würden aber auch einen Hinweis darauf geben, dass sich hier möglicherweise ein „Wunsch nach Abgrenzung“ bemerkbar mache, nach einer Markierung des angestammten literarischen Territoriums. Sie habe fast das Gefühl, sich in einer Ruhe vor dem Sturm zu befinden, „in dem man den dazugekommenen Schriftstellerinnen entgegenrufen möchte, sie sollten sich auf ihre Geschichten und Bemühungen nicht allzu viel einbilden, schließlich gebe es noch die angestammten Autoren, denen die Zuflucht-Sprache eigentlich gehöre.“
Ihre Erfahrungen nach dem Gewinn des Bachmann-Preises hätten ihre Einschätzung bestätigt, dass ein Sprachwechsel „ein äußerst schwieriger Prozess ist“, notgedrungen verbunden mit kulturellen und persönlichen Konflikten. Haderlap ist slowenischer Muttersprache, ihren Roman „Engel des Vergessens“ hat sie auf Deutsch geschrieben. Darüber seien ihr viele Fragen gestellt worden, etwa welcher Kultur sie sich zugehörig fühle. „Die Situationen glichen einer fortdauernden Grenzkontrolle.“ In Kärnten sei die Sprachfrage noch dazu eine ideologische, politische Kategorie gewesen. Sie habe schon als Kind nicht verstanden, warum es besser sein sollte, einsprachig zu sein. Auf Slowenisch zu schreiben, habe sie in den achtziger Jahren auch deshalb getan, um das Zurückweichen des Slowenischen in Kärnten aufzuhalten. Das Schreiben auf Deutsch wiederum habe schließlich „einen Weg aus der Enge der fortwährenden nationalen und sozialen Zuschreibungen“ bedeutet.
Haderlap ging dann auch auf den Begriff des „Schreiben zwischen den Sprachen“ ein. Dies klinge auf den ersten Blick einleuchtend, könne aber das Phänomen nicht erfassen: „Man befindet sich, solange man schreibt, nie außerhalb einer Sprache und ihrer Traditionen.“ Am Ende zähle aber, wie man mit seinen Identitäten umgehe. An die Stelle von Herkunft und Biografie sollte das literarische Werk treten, denn „es ist der geschriebene Text, der zählt“.
Allenthalben geäußerte Thesen, die Sprachwechsel der Autorinnen und Autoren seien Ausdruck der Globalisierung, weist Haderlap zurück. Die Sprache habe ihren Ort, betont sie, der Ausgangspunkt jeder Geschichte liege im Topographischen, ein abgewandeltes Bachmann-Zitat aus der Erzählung „Drei Wege zum See“, wo es am Beginn heißt: „Der Ursprung dieser Geschichte liegt im Topographischen.“