Kulturgut FC Wacker Innsbruck: Sparen und sich teuer verkaufen
Der FC Wacker stellt mit Hilfe der Sponsoren die Weichen für Liga zwei. Die meisten wollen ihre Beiträge nun doch nicht reduzieren.
Von Florian Madl
Innsbruck – War das der Schulterschluss, von dem Wacker-Präsident Josef Gunsch gesprochen hatte? Die großen Sponsoren, allen voran Hauptgeldgeber Tiroler Wasserkraft (weiterhin 800.000 Euro), senken ihre Beiträge auch nach dem Abstieg nicht oder nur unwesentlich. Das wurde kürzlich beschlossen, bestätigen will das etwa Tiwag-Pressechef Wolfgang Mader nicht. Zum Schulterschluss gehört das vielsagende Stillschweigen wohl dazu.
Wacker neu in Zahlen
Eintrittsgelder: 906.000 Euro (Reduktion um 25 Prozent gegenüber der Bundesliga)
Werbung/Sponsoring: 2,024.000 Euro (Reduktion um 32 Prozent gegenüber der Bundesliga; Ausgangsplanung, die jüngsten Zusagen wurden noch nicht berücksichtigt)
Kosten der Kampfmannschaft: 1,87 Millionen Euro (- 46 %)
Übertragungsrechte: 506.200 Euro (- 64 %)
Stadionnutzung: 988.750 Euro
Personalkosten: 314.704 Euro
Budget: 4,7 Mio. Euro (geplant)
Das Spieljahr 2013/14 wird mit dem angekündigten Plus abgeschlossen, Präsident Josef Gunsch ging gestern im TT-Gespräch von „ungefähr 470.000 Euro“ aus. Aber die „prekäre budgetäre Situation“ des Vorjahrs, wie sie das Vereinsoberhaupt jüngst in einem Wacker-Strategiepapier tituliert hatte, wird sich durch den Abstieg nicht kurzfristig zum Besseren wenden.
Der Vorstand hatte schon zu Beginn seiner Tätigkeit einen Fünf-Jahres-Plan ausgelobt, vorerst wolle man sich konsolidieren. Deshalb suchte der Verein bei Stadt und Land zuletzt um eine 40-prozentige Reduktion der Infrastrukturkosten bei gleichbleibender Subventionshöhe an, weitere „Rettungspakete“ seien dann „nicht zwingend notwendig“. Als Vorbild dient das „Mainzer Modell“, auch dort hätte die Kommune dem nach dem Erstliga-Abstieg zugestimmt. Ein Einlenken scheint indes unwahrscheinlich, zuletzt hatte die Stadt dem Ansinnen eine Absage erteilt. Der Bitte um eine Entscheidung bis Ende Mai kam man jedenfalls nicht nach.
Will man es positiv sehen: Der Verein und dessen Vertreter strecken sich nach der Decke, loten Möglichkeiten aus und blasen öffentlichkeitswirksam zur Charmeoffensive: heute -siehe unter: http://go.tt.com/1qAvVWN -bei freiem Eintritt im Spiel gegen Basel. Und morgen im Zuge der Schulschluss-Aktion auf der Mutterer Alm (11 Uhr, Talstation), wo sich Mannschaft und Betreuerstab zum Hallosagen einfinden.
Auch der Sparkurs soll fortgesetzt werden, um dem Verein das Negativ-Echo der Vergangenheit zu ersparen. Die nächsten Schritte:
VIP-Bereich I: Der exklusive Club 96 kann von Kunden für Events aller Art gebucht werden, sonst bleibt der Sektor geschlossen.
VIP-Bereich II: Das Platzangebot im Südareal wird auf 230 Personen reduziert, jeder Gast solle einen Sitzplatz finden. Namen: Sky Lounge Tirol, Club Tirol. Nach Wunsch von Präsident Gunsch soll es sich um einen „Ort der Begegnung“ handeln, an dem Gäste ihr Netzwerk ausbauen und das Spiel verfolgen können.
Südtribüne: Hinter deren Öffnung steht ein Fragezeichen, zuletzt war von einer Schließung in der zweiten Liga die Rede. Was die Eröffnung eines Wacker-Cafés samt Museum und Fan-Shop im Tivoli anbelangt, laufen die Gespräche. Sportlicher Erfolg würde Argumente liefern, und von dem geht Präsident Josef Gunsch angesichts des neuen Kaders aus: „Die Tiroler wollen schließlich eine Mannschaft sehen, die vorne mitspielt.“ Eine, mit der man sich identifizieren könne. Und die Bedeutung des FC Wacker Innsbruck, das betont der Milser in seinem Strategiepapier, könne nicht hoch genug eingeschätzt werden. Der Verein sei ein „Kulturgut“. Und der Präsident hofft nichts weniger, als dass das schon bald alle so sehen.
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