Standort Tirol

Ein Millionen-Poker geht ins Finale

Die GKI-GmbH hat zwei Drittel der Aufträge vergeben. Mehr als die Hälfte des Auftragswertes bleibt in Österreich, rund 43 Mio. Euro im Obergricht. Deutscher Konzern mit Tirol-Tochter baut den Druckstollen.

Von Helmut Wenzel

Landeck, Obergricht –„Die Region muss am Mehrwert dieses Innkraftwerks beteiligt werden.“ Diese Forderung aus dem Mund von LH Günther Platter war bei seinen Besuchen im Obergricht mehrfach zu hören.

Wie berichtet, sind die Karten der drei GKI-Gesellschafter neu gemischt. Die Tiwag hält 76 Prozent der Anteile, der Verbund nur noch zehn Prozent und die Engadiner Kraftwerke haben weiterhin 14 Prozent im Portfolio. Womit die Tiwag auch bei den Ausschreibungen das Heft in die Hand genommen hat.

„Zwei Drittel des Auftragsvolumens sind bisher vergeben, die Hauptbaulose sind unter Dach und Fach“, resümierte GKI-Geschäftsführer Peter Weiskopf am Donnerstag. „In Abstimmung mit dem Engadiner Partner mussten wir das zweistaatliche Projekt EU-weit nach dem Bestbieterprinzip ausschreiben.“ In der ersten Zwischenbilanz geht laut Weiskopf derzeit mehr als die Hälfte des Auftragswertes an österreichische Firmen. Der größte Einzelauftrag landete allerdings beim deutschen Baukonzern Hochtief, der in Tirol einen Tochterbetrieb hat. Es handelt sich um den Bau des 23,6 Kilometer langen Druckstollens mit einem Durchmesser von 6,5 Metern vom Unterengadin bis zum Krafthaus in Prutz. Dabei fallen Kosten von mehr als 140 Mio. Euro an. Rund eine Million Kubikmeter Ausbruch müssen deponiert werden, die vorgesehene Deponiefläche liegt zwischen den Serfauser Weilern Tschuppbach und Schönegg.

Am Ende aller Ausschreibungen sollen zwei Drittel des Auftragsvolumens von rund 430 Mio. Euro in Österreich bleiben, hofft der Geschäftsführer. In den kommenden Wochen würden Experten des Kratwerksbetreibers GKI (Gemeinschaftskraftwerk Inn) über weitere Vergaben – vor allem für die elektromaschinelle Bauteile entscheiden.

Profitieren die kleinen und mittleren Gewerbebetriebe aus der Region vom insgesamt rund 430 Millionen Euro schweren Auftragspaket?

„Ja, in jedem Fall“, unterstreicht Weiskopf. „Allein für das Obergricht rechnen wir, dass zehn Prozent der Investitionssumme an einheimische Professionisten vergeben werden.“ Womit 43 Mio. Euro am Konto der regionalen Handwerksbetriebe wie Tischler, Fliesenleger, Installateure laden sollen. „Diese Betriebe haben sehr gute Chancen. Wir sind zuversichtlich, dass die regionale Wirtschaft umfassend in diese Baustelle eingebunden wird.“

Auch umfangreiche Lkw-Transportleistungen sowie Baggerarbeiten würden benötigt. Dabei würden regionale „Subauftragnehmer“ zum Zug kommen. „Beim Bau des Druckstollens sind ebenfalls diverse Leistungen der regionalen Betriebe gefragt“, sagte Weiskopf, der auch betonte: „Unser Ziel ist es, möglichst viele heimische Firmen zu beteiligen. Nur bekommen wir hier nicht alle Leistungen, die wir benötigen.“

Dass es ab Herbst 400 neue Jobs für Arbeiter allein aus dem Obergricht gebe, sei eine Illusion. Sehr wohl aber würden auf der Großbaustelle rund 400 Arbeitsplätze entstehen. „Wir wissen, dass es in der Region kaum Mineure gibt. Die meisten kommen aus Kärnten“, so Weißkopf.

Während der vierjährigen Bauzeit soll das Obergricht eine Wertschöpfung von 130 Mio. Euro erzielen. Diesen Wert habe nicht die GKI-GmbH ermittelt, sondern Experten vom Institut Joanneum Research in Graz.

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Matthias Reichle

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