König James geigt als Kolumbiens Gegenentwurf zu Neymar auf
James Rodriguez ist der Shooting-Star der WM 2014. Kolumbiens Spielmacher lässt die Fans sogar das bittere Verletzungs-Aus von Radamel Falcao vergessen.
Fortaleza – Das Entsetzen in Kolumbien war groß, als am 2. Juni der Kader für die Fußball-WM bekannt gegeben wurde. In der Liste der 23 fehlte ein Name: Radamel Falcao. Der große Star der „Cafeteros“ war nach einem Kreuzbandriss im Jänner nicht rechtzeitig fit geworden. Kolumbiens große Hoffnungen beim Turnier in Brasilien schienen mit einem Schlag dahin.
Einen Monat später spricht in Medellin, Bogota oder Cali niemand mehr von Falcao. Ein anderer Name ist nun in aller Munde, der eines Clubkollegen von AS Monaco: James Rodriguez. Als „König von Kolumbien“ wurde der 22-Jährige nach seinem sehenswerten Doppelpack im Achtelfinale gegen Uruguay (2:0) in den Medien gefeiert.
Großes Duell mit Neymar
James ist der Shooting-Star des Turniers. Mit fünf Treffern führt der offensive Mittelfeldspieler die Torschützenliste an - noch vor Lionel Messi, Thomas Müller oder Brasiliens Neymar. Mit Letzterem kommt es am Freitagabend (22.00 Uhr MESZ) in Fortaleza zum großen Duell. „Sie haben sehr gute Spieler, darauf müssen wir achten“, sagte Rodriguez vor dem Viertelfinale gegen den Gastgeber. „Aber sie müssen auch auf uns achten. Wir haben auch sehr gute Spieler.“
Er selbst ist einer davon. Nicht einmal über Neymar ist in den vergangenen Tagen so viel geschrieben worden wie über James David Rodriguez Rubio. Der technisch beschlagene Offensivspieler hat bisher in allen WM-Spielen getroffen - und damit maßgeblichen Anteil an Kolumbiens erstem Viertelfinale. Sein 1:0 gegen Uruguay gilt als bisher schönstes Tor des Turniers.
Auch wenn die breite Masse der Fußball-Fans erst in Brasilien auf die kolumbianische Nummer 10 aufmerksam geworden ist. Ein Unbekannter war James - der als Künstlername dienende Vorname soll von den Eltern in Anlehnung an James Bond gewählt worden sein, wird aber Spanisch ausgesprochen - auch in Europa nicht. 45 Mio. Euro hatte sich Monaco im Vorsommer die Dienste des Supertalents aus Cucuta nahe der venezolanischen Grenze kosten lassen, überwiesen an den FC Porto.
Neun Tore und zwölf Assists erzielte der in der Öffentlichkeit zurückhaltende Rodriguez in der abgelaufenen Saison für die Monegassen. „Ich habe nie gezweifelt, dass das die WM von James Rodriguez werden wird“, versicherte Kolumbiens Teamchef Jose Pekerman. Der Argentinier hatte 2011 zu Beginn der WM-Qualifikation erstmals auf die Künste des Spielmachers gesetzt - damals noch mit Falcao als Vollstrecker.
Entdeckt wurde James als Zwölfjähriger bei einem Jugendturnier in Kolumbien, als er einen Corner direkt verwertete. Als sein erster Förderer gilt Gustavo Adolfo Upegui Lopez, der einst Verbindungen mit Kolumbiens Drogenbaron Pablo Escobar unterhalten haben soll. Der Geschäftsmann holte Rodriguez zum Envigado FC, einem Verein in der Nähe von Medellin.
Mit 15 Profi-Debüt, mit 17 erster Transfer
Der Aufstieg verlief danach kontinuierlich: Mit 15 Debüt bei den Profis, mit 17 Transfer nach Argentinien zu Banfield. Bereits mit 18 soll Rodriguez für sechs Millionen Euro Manchester United angeboten worden sein. Der englische Topclub entschied sich aber für den Mexikaner Javier Hernandez und den portugiesischen Flop Bebe.
Porto schlug noch im selben Jahr zu. Unter Trainer Andre Villas-Boas und an der Seite von Landsmann Falcao gewann Rodriguez, der mit der Schwester von Kolumbiens Torhüter David Ospina verheiratet ist, 2011 bereits im ersten Jahr in Portugal das Triple aus Meisterschaft, Cup und Europa League. Es folgten zwei weitere Meistertitel mit Porto, ehe dank einer Ausstiegsklausel die Düngermillionen aus Monaco winkten.
Im Fürstentum steht Rodriguez noch bis 2018 unter Vertrag. Nach seinen überragenden Leistungen in Brasilien soll aber bereits Champions-League-Sieger Real Madrid angeklopft haben. Einem Wechsel nach Spanien ist „King James“ nicht abgeneigt. Zuletzt wurde er mit den Worten „Madrid gefällt mir besser als Barcelona“ zitiert. Auch damit bildet er einen Gegensatz zu Neymar. (APA)
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