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„Ich bin der Rudi Carrell der Slowakei“

Thomas Kamenar ist in Innsbruck aufgewachsen. Heute lebt und arbeitet er in Wien.
© Ö3

Mit drei flüchtete Thomas Kamenar mit seiner Familie nach Tirol. 32 Jahre später ist der Ö3-Moderator nun auch ein TV-Star in seinem Geburtsland.

Von Silvana Resch

Innsbruck –„Am Anfang hat die TV-Show extrem polarisiert“, sagt Thomas Kamenar, dessen Stimme Ö3-Hörern bestens vertraut sein dürfte. In der Slowakei flimmert der 35-Jährige seit ein paar Jahren zudem regelmäßig über den Bildschirm. Seine 40-minütige Quizshow wird vom Privatsender JOJ TV täglich um 16 Uhr ausgestrahlt. Aber auch wenn das Format ein bisschen der „Million- show“ ähnle, Kamenar würde sich nicht als „Armin Assinger“ des Nachbarstaates bezeichnen. „Slowakisch ist extrem schwierig“, so der Moderator. „Meine Eltern haben zwar zuhause mit uns in ihrer Muttersprache gesprochen, aber mein Slowakisch ist sehr einfach, es klingt recht kindlich.“

Aus diesem Grund wollte der Ö3-Mann die Quizshow am Anfang auch gar nicht übernehmen: „Ich habe mich nicht getraut. Auf Deutsch bin ich doppelt so eloquent.“ Eine junge Agentin aus dem Nachbarland hatte aber wiederholt angefragt und den Moderator schließlich zu einem Casting gelotst. „In der Slowakei ist Ö3 sehr beliebt. In Zeiten des Kommunismus haben viele bei den ORF-Sendern ihre Informationen bezogen“, erklärt Kamenar.

Bei den ersten Probeaufnahmen konnte der Radiomann jedenfalls überzeugen: „Es hat sich schnell herumgesprochen, dass da so ein Typ ist, der komisch redet.“ Nach einer Zeit des Überlegens und viel Überredungskünsten seitens des Senderverantwortlichen willigte der Tiroler schließlich ein. „Ich dachte an Rudi Carrell, der hat sich ja auch nichts geschissen.“

Die slowakische Quizshow ist für Kamenar „Freizeitvergnügen“.
© Screenshot JOJ TV

Die Quiz-Show macht auf jeden Fall Freude. „Es ist witzig und läuft auch sehr gut.“ Mittlerweile darf der Medienprofi auch bei seiner Frisur mitreden. Zu Beginn wurde ihm die charakteristische Struwwelmähne in der Maske nämlich noch recht seltsam ausgeföhnt. Im Diskussionsforum zur Sendung galt die Empörung aber vor allem der Sprache des medialen Heimkehrers. Mittlerweile ein unverkennbares Markenzeichen: Der 35-Jährige wird auch in einer slowakischen Comedyshow regelmäßig persifliert. „Da muss ich selber auch lachen.“

Hin und wieder passiert eben ein sprachliches Malheur: „Die Redewendung ,das steht dir gut‘ gibt es wörtlich übersetzt im Slowakischen nicht, im Studio haben alle blöd gelacht, ich wusste ja nicht, dass es ’Du hast eine Erektion‘ bedeutet.“

Jedes zweite Wochenende pendelt der Moderator neben seinem Vollzeitjob beim Radio von Wien nach Bratislava, um die Sendungen aufzuzeichnen, zehn Stunden am Stück, 30 Kandidaten am Tag. „Ich habe vergangenes Jahr überhaupt nur zwei Wochenenden frei gehabt, aber mir macht die Arbeit viel Spaß. Fernsehen und Radio befruchten sich gegenseitig.“

Liebesbriefe à la „Ich will ein Kind von dir“ bekommt Kamenar, der in einer fixen Beziehung lebt, hauptsächlich auf Facebook. In der Slowakei trudeln hingegen viele Schreiben von Menschen in Geldnot ein. „Die leite ich an die zuständigen Stellen beim Sender weiter, da gibt es einen Soforthilfefond.“ Die Sorgen der Menschen machen ihn betroffen. Was es heißt, sich nichts leisten zu können, kennt er aus Kindheitstagen. Erste Erinnerungen stammen aus dem Flüchtlingslager Traiskirchen: „Da gab es Brezen, aber die kosteten drei Schilling, das war für uns unerschwinglich.“

Mittlerweile hat es sich der sympathische Medienmann jedenfalls in zwei verschiedenen Welten recht gut eingerichtet. Wohl auch zur großen Freude seiner Fans.