Aufstieg und Fall von Mohammed Mursi

Kairo (APA/dpa) - Mohammed Mursi kam nach dem Sturz von Hosni Mubarak als erster frei gewählter Präsident Ägyptens an die Macht. Doch auch e...

Kairo (APA/dpa) - Mohammed Mursi kam nach dem Sturz von Hosni Mubarak als erster frei gewählter Präsident Ägyptens an die Macht. Doch auch er wurde nach Monaten mit Krisen und Gewalt abgesetzt. Eine Chronologie:

24. Juni 2012: Die Wahlkommission erklärt den Kandidaten der Muslimbruderschaft, Mohammed Mursi, zum Sieger der Präsidentenwahl.

29. November: Im Eilverfahren peitscht das von Islamisten dominierte Verfassungskomitee Mursis Entwurf einer neuen Verfassung durch. In Massenprotesten demonstriert die Opposition gegen eine schleichende Islamisierung.

25. Jänner 2013: Mindestens 500.000 Ägypter protestieren gegen Mursi.

26. Jänner: In Kairo werden 21 Menschen wegen ihrer Beteiligung an Fußballkrawallen mit 74 Todesopfern in Port Said im Februar 2012 zum Tode verurteilt. Nach dem Urteil eskaliert in Port Said die Gewalt. Es gibt Dutzende Tote und Hunderte Verletzte.

11. Februar: Am zweiten Jahrestag des Mubarak-Rücktritts gehen mehr als zehntausend Ägypter auf die Straße. In mehreren Städten kommt es in den folgenden Wochen immer wieder zu gewalttätigen Protesten.

2. Juni: Das oberste Verfassungsgericht spricht dem von Muslimbrüdern und Salafisten dominierten Oberhaus des Parlaments die Legitimität ab. Außerdem sei die Verfassung unter nicht gesetzeskonformen Umständen zustande gekommen.

30 Juni: Massenproteste Hunderttausender markieren das Ende einer Unterschriftenkampagne, mit der Mursi zum Rücktritt gezwungen werden soll.

1. Juli: Armeechef und Verteidigungsminister General Abdel Fattah al-Sisi fordert: Mursis Muslimbruderschaft und die Opposition müssen den Konflikt innerhalb von 48 Stunden lösen.

2. Juli: Mursi will im Amt bleiben. Islamistische Politiker und Geistliche rufen die Ägypter auf, die legitime Führung zu verteidigen. Bei Zusammenstößen zwischen Gegnern und Anhängern Mursis gibt es mindestens 22 Tote und Hunderte Verletzte.

3. Juli: Mursi wird vom Militär gestürzt und unter Arrest gestellt. Bei Gewalt auf den Straßen werden mindestens zwölf Menschen getötet.

14. August: Bei der Räumung von Protestlagern mit Mursi-Anhängern gibt es nach Regierungsangaben über 600 Tote. Eine Verhaftungswelle hochrangiger Mitglieder der Muslimbruderschaft setzt ein.

19. August: Die Staatsanwaltschaft leitet gegen Mursi Ermittlungen ein. Er soll für den Tod von Demonstranten Ende 2012 verantwortlich sein. Im September folgt eine Anklage wegen Beleidigung der Justiz.

23. September: Ein Gericht in Kairo erklärt die Muslimbruderschaft und alle Ableger der Organisation für illegal.

4. November: Der erste Strafprozess gegen Mursi beginnt mit Tumulten.

6. November: Ein Berufungsgericht bestätigt das Verbot der Muslimbruderschaft.

25. Dezember: Die ägyptische Regierung stuft die Muslimbruderschaft als Terrororganisation ein.

14./15. Jänner 2014: Ein halbes Jahr nach der Entmachtung Mursis nehmen die Ägypter eine neue Verfassung an.

28. Jänner: Der zweite Prozess gegen Mursi beginnt. Er muss sich wegen eines Gefängnisausbruchs während der Revolte gegen Mubarak 2011 verantworten. Zudem wird ihm Zusammenarbeit mit der radikal-islamischen Palästinenserorganisation Hamas vorgeworfen.

24. März: In der Stadt Minia werden die ersten 529 Islamisten zum Tode verurteilt. Sie sollen für die tödliche Gewalt während der Unruhen im Sommer 2013 verantwortlich sein. Menschenrechtler sprechen von einem Skandalurteil.

26. März: Militärchef Abdel Fattah al-Sisi gibt seine Kandidatur bei den kommenden Präsidentschaftswahl bekannt. Er gilt als Favorit.

28. April: In einem zweiten Massenprozess werden weitere 683 Islamisten zum Tode verurteilt. Zugleich bestätigt das Gericht rund drei Dutzend der Urteile aus dem ersten Prozess. Die anderen Todesstrafen werden in lebenslange Haftstrafen umgewandelt.

26.-28. April: al-Sisi siegt erwartungsgemäß bei Präsidentenwahl

8. Juni: al-Sisi wird als neuer Präsident Ägyptens vereidigt