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Damit der Nachzipf nicht anzipft

Von wegen lange Sommerferien: Vielen Tiroler Schülern steht im Herbst eine Wiederholungsprüfung bevor. Eine Psychologin und eine Lerntrainerin geben Tipps, wie diese Hürde bewältigt werden kann.

Von Miriam Hotter

Innsbruck –Nicht genügend, Fünfer, „Fleck“: Das Schreckgespenst der Schüler hat viele Namen. Einigen spukt es noch im Sommer hinterher, wenn sie das Schuljahr nicht positiv abschließen konnten und im Herbst zur Wiederholungsprüfung – dem „Nachzipf“ – gebeten werden. Wir haben eine Psychologin und eine Lerntrainerin nach Tipps gefragt, um das Schreck­gespenst zu vertreiben.

1Entspannen: Erst einmal gilt: Ferien für alle! Die Wiener Psychologin Elfriede Wegricht weiß, wie wichtig eine Erholungsphase für Schüler ist. „Das Schuljahr ist anstrengend. Jetzt verdient jedes Kind einmal zwei bis drei Wochen Pause, bevor es wieder zu lernen beginnt.“

2Lernplan erstellen: Corinne Fürhapter ist Kinder- und Jugendcoach in Innsbruck und unterstützt Schüler beim Lernen. „Dabei ist ein Lernzeitplan das Um und Auf“, erklärt die Innsbruckerin. Um diesen zu erstellen, sollten die Schüler Antworten auf folgende Fragen finden: Wie viele Wochen sind es bis zur Wiederholungsprüfung? Wie viele Seiten muss ich lernen? „Dann rechnen sich die Schüler aus, wie viele Seiten sie pro Woche und pro Tag lernen müssen“, sagt Fürhapter. Am Ende seien viele Kinder und Jugendliche überrascht, dass es gar nicht mehr so viele sind.

3Lernmethode finden: Fast jeder Mensch hat einen Kanal zum Lernen, auf dem er als Lerntyp besonders aufnahmefähig ist. Es gilt, diesen herauszufinden. Manche Lerntypen können sich den Stoff besonders gut merken, wenn sie jemandem zuhören. Andere Lerntypen lesen die Inhalte lieber. Einige machen sich gerne Notizen und andere können nur richtig lernen, wenn sie sich mit Freunden austauschen. „Wenn man weiß, ob ich den Lernstoff am liebsten sehe, höre, spreche oder schreibe, ist schon ein großer Schritt getan“, sagt Fürhapter.

Und: Lernen muss nicht immer anstrengend sein. Kinder und Jugendliche können das Lernen mit Hobbys verbinden. „Ich kenne einen Jugendlichen, der gerne singt. Er hat den Lernstoff einfach in die Texte eingebaut“, erzählt die Innsbruckerin. Auch beim Sport ist es möglich, sich etwas einzuprägen. „Schüler können sich etwas auf ein Tonband sprechen und es beim Joggen anhören.“

Manche Kinder und Jugendliche lernen am besten, wenn sie laut Musik hören. „In diesem Fall sollten Eltern das nicht verbieten, auch wenn sie es selbst nicht nachvollziehen können“, rät Fürhapter. Hier fügt die Psychologin jedoch hinzu: „Musik ohne Text ist besser, weil sonst die Aufmerksamkeit beim Liedtext und nicht beim Lernstoff ist.“

Manche Kinder sind „Nachtmenschen“ und widmen sich erst zu später Stunde ihren Büchern. „Auch das müssen Eltern akzeptieren.“ Jeder lerne auf seine eigene Art und Weise am erfolgreichsten.

4In Etappen lernen: Für die Lerntrainerin ist es wichtig, dass Pausen eingehalten werden. „Ich rate meinen Schülern, dass sie in Blöcken lernen.“ Ein Block dauert 45 Minuten. Bevor sie sich wieder ans Lernen machen, sollte eine Pause von 15 Minuten gemacht werden.

5Positive Motivation: Häufig reagieren Eltern mit Enttäuschung auf den Fünfer im Zeugnis. Das sei laut der Psychologin aber der falsche Weg. „Eltern sollten ihren Nachwuchs unterstützen“, betont Wegricht. Der Glaube an das eigene Kind sei dabei ausschlaggebend. „Ich kann zum Beispiel sagen: ,Im Leben läuft nicht immer alles glatt. Doch jeder hat seine Arbeit zu tun. Ich weiß, wenn du dich anstrengst, dann kannst du es schaffen‘“, nennt Wegricht ein Beispiel.

Für die Psychologin ist es durchaus in Ordnung, wenn Eltern ihren Kindern eine Belohnung in Aussicht stellen. Eine Kugel Eis oder ein Ausflug ins Schwimmbad seien kleine „Lichtblicke“. „Doch eine ehrlich gemeinte Anerkennung ist immer noch besser als alles andere“, betont Wegricht.

6Wiederholen: Um das Gelernte zu festigen, sind Wiederholungen unausweichlich. Lerncoach Fürhapter rät: „Kurz vor der Prüfung sollte eine Woche nur zum Wiederholen des Stoffes da sein.“

Doch nicht nur am Ende der Ferien sind Wiederholungen sinnvoll. Das Erarbeiten von neuem Stoff und das Wiederholen sollen sich nämlich abwechseln. „Damit etwas dauerhaft im Kopf bleibt, müsse es durchschnittlich fünfmal wiederholt werden“, erklärt Fürhapter.

7Ernstfall proben: Dass die Prüflinge vor ihrem Auftritt nervös sind, ist ganz normal. Doch laut den beiden Expertinnen könne man etwas dagegen tun, damit die Nervosität nicht überhand nimmt. Die Psychologin hat einen Tipp: „Man stellt sich den Tag X vor. Die Schüler gehen also in Gedanken durch: Wie stehe ich auf, was ziehe ich an, was frühstücke ich, wie sieht der Raum aus, in dem ich die Prüfung ablege, wer ist anwesend“, erklärt Wegricht. Die Prüfungssituation können die Kinder dann mit den Eltern nachstellen. Das gibt Sicherheit.

Auch Fürhapter hat eine Rat: „Wer eine Wiederholungsprüfung hat, kann jemanden fragen, der das schon hinter sich hat“, erklärt sie. Von den Erfahrungen anderer könne man nur profitieren.

Außerdem sei Mentaltraining eine gute Möglichkeit, Nervosität abzubauen. „Auch wenn es für manche eigenartig klingt: Positives Denken hilft“, sind sich die beiden Frauen einig. „Wenn man sich dreimal am Tag sagt: Ich schaffe das, dann verinnerlicht das Gehirn das“, sagt die Psychologin. Und dann sollte das Schreckgespenst nicht mehr im Kopf herumgeistern.