Saudi-Arabien will 30.000 Soldaten an irakischer Grenze stationieren

Bagdad/Riad/Erbil (APA/Reuters/dpa/AFP) - Saudi-Arabien lässt nach Medienberichten 30.000 Soldaten an der Grenze zum Irak aufmarschieren. 2....

Bagdad/Riad/Erbil (APA/Reuters/dpa/AFP) - Saudi-Arabien lässt nach Medienberichten 30.000 Soldaten an der Grenze zum Irak aufmarschieren. 2.500 an der Grenze stationierte irakische Militärs hätten sich zurückgezogen und hielten sich nun in der Wüste um Kerbala auf, berichtete der saudische Sender „Al-Arabiya“ am Donnerstag. Ein Sprecher des irakischen Premiers wies dies zurück, irakische Kräfte hätten „volle Kontrolle“ über die Grenze.

Die „Falschmeldung“ diene nur dazu, „die Moral unseres Volkes und unserer Kämpfer zu untergraben“, fügte er hinzu. Die staatliche Nachrichtenagentur Saudi-Arabiens, SPA, hatte zuvor vermeldet, König Abdullah habe alle notwendigen Maßnahmen ergriffen, um das Land vor „terroristischen Bedrohungen“ zu schützen.

Der Irak und Saudi-Arabien haben eine rund 800 Kilometer lange gemeinsame Grenze. Im Westen grenzt der Irak auf einer Länge von rund 600 Kilometern an Syrien. Dort sei die der Al-Kaida nahestehende Al-Nusra-Front aus ihren Hochburgen Mayadin und Shuhail abgezogen und habe die Provinz Deir al-Zor den heranrückenden ISIS-Kämpfern überlassen, teilte die oppositionsnahe syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit. Bereits Anfang der Woche hatte die ISIS die Kontrolle über die strategisch wichtige Grenzstadt Albu Kamal übernommen.

Die ISIS erlangte damit nicht nur die Oberhand über das wichtige Ölfeld Al-Omar, sie kontrolliere auch erstmals ein Gebiet, das von der Grenzstadt Albu Kamal bis kurz vor Aleppo reiche. Damit seien in Deir al-Zor nur noch die Provinzhauptstadt und der Flughafen sowie einige Dörfer unter Kontrolle der Truppen von Präsident Bashar al-Assad, so die Beobachtungsstelle.

Im Norden des Irak wollen ISIS-Kämpfer laut türkischen Medienberichten in Kürze 32 türkische Lastwagenfahrer freilassen, die sie im vergangenen Monat entführt hatten. Einer der Gekidnappten sagte dem türkischen Sender „NTV“ am Donnerstag telefonisch: „Wir sind noch nicht völlig frei. Es sind noch ISIS-Kämpfer rund um uns.“ Demnach sollen die Gefangenen aber in Kürze an kurdische Behörden im Nordirak übergeben werden. Eine offizielle Bestätigung von türkischer Seite gab es dafür vorerst nicht, ein Mitarbeiter des Außenministeriums sprach jedoch von „positiven Entwicklungen“. Weiter offen ist das Schicksal von knapp 50 weiteren türkischen Staatsbürgern, die am 11. Juli in Mossul von ISIS-Anhängern festgesetzt wurden.

Die Kurden im Nordirak treiben unterdessen ungeachtet des irakischen und internationalen Protestes ihre Bemühungen um ein Unabhängigkeitsreferendum voran. Der Präsident der kurdischen Autonomieregion, Massoud Barzani, bat das Parlament am Donnerstag um die Vorbereitung eines Referendums über die Unabhängigkeit Kurdistans. Das Parlament werde ein Datum festlegen und eine Wahlkommission einberufen, sagte der Außenbeauftragte der Kurdischen Demokratischen Partei (KDP), Hemin Hawrami.

Das Referendum betreffe auch die mit der Regierung in Bagdad umstrittenen Gebiete wie die ölreiche Stadt Kirkuk. „Diese Gebiete sind jetzt schon faktisch Teile Kurdistans“, fügte er hinzu. „Das ist ein historischer Tag.“