Freizeit

Spektakuläre Seilschaft am Bergisel

Christian Waldner vor der Kulisse des Bergisels bei Nacht in seinem Element – auf der Slackline.
© Hanno Mackowitz

Von Christoph Mair...

Von Christoph Mair

Innsbruck –Hohe Luftstände sind im Skisprungoval des Bergisels mitunter nichts Ungewöhnliches. Doch den Höhepunkt vom Dienstag hat das altehrwürdige Stadion noch nicht gesehen. Christian Waldner aus Mils bei Hall überquerte den Kessel zwischen Schanzentisch und Reporterturm in rund 30 Metern Höhe – auf einer so genannten Slackline: mit spektakulärem Blick auf Innsbruck und den Schanzenturm im Hintergrund. Der 35-Jährige aus Mils ist seit zehn Jahren der Trendsportart verfallen und balanciert professionell auf dem ca. 2,5 Zentimeter breiten Schlauch- oder Gurtband. Seine Spezialität sind High­lines, also Balanceakte in einer Höhe, aus der man nicht mehr so einfach abspringen kann. Der Tiroler ist deshalb auch stets gesichert unterwegs.

Im Mai des Vorjahres bewies Waldner mit seinem „Walk am Dom“ einen ausgeprägten Gleichgewichtssinn. In 65 Metern Höhe und vor den Augen von 35.000 Zuschauern wagte er sich am Stephansdom von Turm zu Turm. Für Waldner ging damit ein Traum in Erfüllung, doch seine Heimat vergisst ein Tiroler nicht so schnell. „Mit dem Bergisel habe ich schon länger geliebäugelt“, erzählt der Milser. „Highlines leben immer auch vom Objekt, das man begehen will. Vor historischem Hintergrund macht es besonders viel Spaß.“ Der Bergisel vereine als eines der Wahrzeichen der Landeshauptstadt alle diese Kriterien und gebe dazu noch beeindruckende Fotomotive her, freut sich Christian Waldner.

Am Dienstag absolvierte Waldner die „Erstbegehung“.
© Hanno Mackowitz

Mehrmals hat er das rund 60 Meter lange Seil überquert, bei Tag und bei Nacht. In der Dunkelheit seien die Überschreitungen wegen der nicht sichtbaren Fixpunkte eine Herausforderung. Für das Gefühl tagsüber hat Waldner nur zwei Worte: „Oberwahnsinn“ und „sagenhaft“. Es gebe nirgends rund um Innsbruck eine Highline mit einem derart atemberaubenden Blick.

Für die erste Bergisel-Überquerung auf einer Slackline waren rund zwei Stunden Aufbau notwendig gewesen, sagt Waldner. Das Abenteuer insgesamt dauerte acht Stunden, einen ganzen Kilometer hat Waldner dabei zurückgelegt. Im Training seien es oft bis zu eineinhalb. Schließlich sei eine gute Kondition beim Slacklinen nicht die schlechteste Voraussetzung, schmunzelt Waldner. Vor allem, weil der 35-Jährige das moderne Seiltanzen mittlerweile zu seinem Beruf gemacht hat. „Slacklinen ist für mich pure Leidenschaft und Lebenseinstellung zugleich.“

Christian Waldner war heuer bereits in Mexiko „auf Linie“ und auch für seine Heimat hat er bereits weitere Erstbegehungen im Visier. Welche, das will er noch nicht verraten.