Fußball-WM: Mathieu Valbuena - „Kleines Fahrrad“ treibt Frankreich an

Rio de Janeiro (APA/Si) - Der Weg an die Spitze war für Mathieu Valbuena weniger aufgrund seiner Körpergröße beschwerlich. Frankreichs nur 1...

Rio de Janeiro (APA/Si) - Der Weg an die Spitze war für Mathieu Valbuena weniger aufgrund seiner Körpergröße beschwerlich. Frankreichs nur 1,66 Meter großer Teamspieler galt als Teenager als verspielt und egoistisch. Über die Niederungen des Club-Fußballs gelang ihm der Sprung zu Olympique Marseille, wo er von Eric Gerets und Didier Deschamps gefordert und gefördert wurde. In Brasilien soll Valbuena dies zurückzahlen.

Eigentlich gibt es keinen Spieler, der so sehr für die Wiederauferstehung der „Bleus“ steht wie der 29-Jährige. Er ist an der rechten Flanke agierend Dreh- und Angelpunkt des französischen Spiels. Bei der WM nach dem verletzungsbedingten Aus seines Gegenparts Franck Ribery umso mehr.

Seit Deschamps im Sommer 2012 das Amt des Teamchefs übernommen hat, kam Valbuena nur in einem einzigen der 26 Länderspiele gar nicht zum Einsatz: am Mittwoch vor einer Woche im letzten, fast unbedeutenden Gruppenspiel gegen Ecuador. Im Achtelfinale gegen Nigeria hatte er bei beiden Toren zum 2:0-Sieg seine Beine im Spiel. Nur drei seiner 51 Pässe kamen nicht beim Mitspieler an.

Noch vor eineinhalb Monaten gab es einige Experten, die Valbuena gar nicht in Frankreichs WM-Aufgebot genommen hätten. Die Skepsis an seiner Leistungsfähigkeit verfolgt Valbuena seit seinen Anfängen. Als 18-Jähriger wurde er aus dem Internat von Girondins Bordeaux verabschiedet. Nicht geeignet für eine Karriere als Fußball-Profi, hieß es. Er spielte in der fünften Liga und arbeitete als Verkäufer in einem Sportartikelgeschäft, dann schaffte er den Sprung in die dritte Liga und von dort als 22-Jähriger 2006 den Wechsel nach Marseille.

Eine Saison lang spielte er bei den Südfranzosen an der Seite von Franck Ribery und Samir Nasri. Er kam nur selten zum Einsatz. Ohnehin ist ihm die Zeit mit den beiden Superstars nicht in guter Erinnerung geblieben. In seiner Autobiografie erzählt Valbuena von für ihn nicht sonderlich lustigen Scherzen der beiden. Meistens stand seine Größe im Mittelpunkt des Spotts.

Valbuenas Glück ist, dass in Frankreich nach den jüngsten Misserfolgen die Zeiten vorbei sind, wo ein Fußballer in erster Linie Gardemaß aufzuweisen hat. Nun kommen auch Kleinere zum Zug, neben Valbuena etwa Antoine Griezmann oder Yohan Cabaye (beide 1,75 m). Noch unter Deschamps Vorgänger Laurent Blanc war Valbuena ein Ergänzungsspieler ohne Perspektiven. Bei der EM 2012 stand er zwar im Kader, kam aber keine Minute zum Einsatz.

Erst Deschamps machte ihn zur zentralen Figur. Wie so viele andere ließ sich auch der Weltmeister von 1998 in Bezug auf Valbuena eines Besseren belehren. Als er 2009 Trainer bei Marseille wurde, baute Deschamps zunächst nicht auf den in Anspielung auf das Stade Velodrome „Petit Velo“ (Kleines Fahrrad) genannten Valbuena. Später hatte er maßgeblichen Anteil daran, dass Deschamps den Club mit einem Meistertitel und drei Ligacup-Siege verlassen konnte.

Deutschland lernte seine Qualitäten auch schon kennen. Beim bisher letzten Aufeinandertreffen, einer 1:2-Heimniederlage im Februar 2013 in St. Denis bei Paris, schoss Valbuena das Tor der Franzosen.