EU-Beobachter fordern umfassende Überprüfung der Wahl in Afghanistan

Kabul (APA/AFP) - Die Zweifel an einem korrekten Verlauf der Stichwahl um das Präsidentenamt in Afghanistan Mitte Juni haben sich weiter ver...

Kabul (APA/AFP) - Die Zweifel an einem korrekten Verlauf der Stichwahl um das Präsidentenamt in Afghanistan Mitte Juni haben sich weiter verdichtet: Die Wahlbeobachter der Europäischen Union forderten am Donnerstag nach Hinweisen auf eine großflächige Manipulation, die Überprüfung der Auszählungsergebnisse auf eine größere Anzahl von Wahllokalen auszudehnen.

Derzeit werden bereits die Auszählungen aus fast 2000 der insgesamt 23.000 Wahllokale überprüft, wie Wahlkommissions-Chef Ahmed Yusuf Nuristani am Mittwoch in Kabul mitteilte. „Ich habe bei einer bedeutenden Zahl von Wahllokalen ernsthafte Bedenken“, sagte der Chef der EU-Beobachtermission, Thijs Berman. Er könne keine „Schlüsse“ über mögliche Manipulationen ziehen, weil es dafür „tiefschürfender Überprüfungen“ bedürfe. Die vorliegenden Hinweise seien jedoch „sehr beunruhigend“. Die Europäische Union hatte Anfang März mitgeteilt, sie entsende 15 Experten zur Wahlbeobachtung nach Kabul. Geleitet wird das Team von dem Europaabgeordneten Berman von den niederländischen Sozialdemokraten.

Die beiden Kandidaten der Stichwahl, der frühere Außenminister Abdullah Abdullah und der ehemalige Finanzminister Ashraf Ghani, reklamieren den Wahlsieg jeweils für sich. Abdullah wirft dem scheidenden Präsidenten Hamid Karzai und der Wahlkommission vor, die zweite Wahlrunde zu seinen Ungunsten manipuliert zu haben. Nach Ghanis Ansicht verlief die Abstimmung hingegen fair. Erst wenn das vorläufige Ergebnis veröffentlicht ist, öffnet sich ein Zeitfenster für offizielle Beschwerden. Mit der Bekanntgabe des offiziellen Endergebnisses wird nunmehr für den 24. Juli gerechnet.