Tauziehen um Atomdeal: Zentrifugenzahl als Knackpunkt
Die sechste Runde der Wiener Atomgespräche zwischen dem Iran und den fünf UN-Vetomächten plus Deutschland ist am Donnerstag mit einer Reihe von Meetings fortgesetzt worden. Im Tauziehen um ein endgültiges Abkommen im zehn Jahre andauernden Konflikt rund um die iranische Urananreicherung erweist sich vor allem die Zahl der iranischen Zentrifugen als Knackpunkt.
Von Arian Faal/APA
Wien, Teheran – Der iranische Außenminister und Chefverhandler Mohammad Javad Zarif, traf am Mittwoch und Donnerstag mit der EU-Außenbeauftragten Catherine Ashton, sowie mit der amerikanischen, russischen und chinesischen Delegation zusammen und besprach das Rahmenprogramm und die Expertengruppen der Marathonverhandlungen bis zum 20. Juli. Bis dahin sei man entschlossen, so Ashtons Sprecher Michael Mann, ein Abkommen zustande zu bringen. Dass dies aber noch ein schwieriger Weg sei, der sehr intensive und harte Anstrengungen erfordere, weiß auch Mann nach eigenen Angaben.
Frankreich will deutliche Reduktion der Zentrifugenanzahl
Bei der Zentrifugenzahl etwa gibt es große Meinungsunterschiede. Ein iranischer Diplomat meinte laut Nachrichtenagentur Reuters, dass sein Land 50.000 Zentrifugen brauche und nicht 49.999 und davon auch nicht abrücken werde. Die Uran-Anreicherungszentrifugen stehen im Mittelpunkt der Besorgnisse der internationalen Gemeinschaft: Mit einer großen Anzahl wäre es leichter und schneller möglich, Uran bis zur Waffenfähigkeit anzureichern.
Der Westen, insbesondere aber Frankreichs Außenminister Laurent Fabius, will von dem Golfstaat eine deutliche Reduktion der Zentrifugenanzahl. Wenn das Nuklearprogramm tatsächlich friedlich sei, dann gebe es auch keine Veranlassung so viele Zentrifugen zu betreiben. Derzeit hat der Iran mehr als 19.000 Zentrifugen und betreibt 10.000 davon.
Die iranische Führungsspitze - allen voran Ayatollah Ali Khamenei und der mächtige Strippenzieher Ali Akbar Hashemi-Rafsanjani - hat Zarif zwar grundsätzlich grünes Licht für einen Deal gegeben. Die Forderung, hierbei „keinen Millimeter der iranischen Rechte und bisherigen Errungenschaften“ verloren gehen zu lassen, dürfte aber den Verhandlungsspielraum der iranischen Delegation deutlich einschränken, meinten Beobachter.
Westen fordert Umbau in einen Leichtwasserreaktor
Denn Teheran beharrt auf der Nuklearforschung und auf sämtlichen bisher erlangten Errungenschaften. Eine von diesen ist auch der im Bau befindliche Schwerwasserreaktor Arak, in dem nach Inbetriebnahme waffenfähiges Plutonium anfallen wird. Teheran hat angeboten, durch den Umbau des Reaktors den Plutoniumausstoß drastisch zu reduzieren. Der Westen fordert aber einen Umbau in einen Leichtwasserreaktor oder die Schließung der Anlage.
Der Westen verdächtigt den Iran unter dem Deckmantel einer friedlichen Atomprogramms heimlich an Nuklearwaffen zu arbeiten. Teherans Führung dementiert dies. Bei den Atomverhandlungen ist es das vorrangige Ziel des Iran, eine Aufhebung der internationalen Sanktionen zu erreichen, die die Wirtschaft des Landes stark belasten. Gleichzeitig will Teheran möglichst wenig Abstriche von seinem Atomprogramm machen und es in seiner Substanz erhalten.
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