Deutscher Geheimdienst warnt Firmen vor frustrierten Angestellten
Berlin (APA/Reuters) - Unzufriedene Beschäftigte stellen nach Einschätzung des Verfassungsschutzes eine mindestens ebenso große Gefahr für U...
Berlin (APA/Reuters) - Unzufriedene Beschäftigte stellen nach Einschätzung des Verfassungsschutzes eine mindestens ebenso große Gefahr für Unternehmen dar wie Cyber-Attacken.
Verbitterte Angestellte seien eher geneigt, ihr Wissen an konkurrierende Unternehmen oder ausländische Geheimdienste zu verraten, warnte Verfassungsschutz-Präsident Hans-Georg Maaßen am Donnerstag in Berlin bei einer Veranstaltung zum Thema Wirtschaftsspionage. Jahrelang hätten Cyber-Angriffe im Mittelpunkt der Diskussion gestanden. Der menschliche Faktor dürfe aber nicht außer Acht gelassen werden.
„Der frustrierte Mitarbeiter ist ein Problem, mit dem sich Unternehmen wie auch Behörden auseinandersetzen müssen“, mahnte Maaßen. Unzufriedene Angestellte werde es zwar immer geben. Die Firmen müssten jedoch darauf achten, dass in den gefährdeten Bereichen, wo sie ihre Kronjuwelen hüteten, nur zuverlässige Leute zum Einsatz kämen. Nach Schätzungen der Wirtschaft entsteht deutschen Unternehmen jährlich ein Schaden von mindestens 50 Milliarden Euro durch Wirtschaftsspionage über das Internet.
Es gebe eine Reihe einfacher Warnzeichen, die Vorgesetzte aufhorchen lassen sollten, sagte Maaßen. Dazu zählten soziale Probleme wie Alkoholismus oder Spielsucht. Sie könnten dazu führen, dass ein Mitarbeiter Geld benötige und deshalb Informationen verkaufe. „Oder sei es, weil die Person sich mit der Arbeit nicht identifiziert, was man vielleicht auch unschwer über ein Facebook-Profil mitbekommen kann.“
Häufig würden Betriebsgeheimnisse auch aus Eitelkeit ausgeplaudert, sagte der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft für Sicherheit der Wirtschaft (ASW), Volker Wagner. Dies sei beispielsweise in Flughafen-Lounges oder auf der Fahrt im ICE gut zu beobachten. Auch in der Kneipe prahlten Mitarbeiter nach einer Messe gern stolz und in aller Öffentlichkeit über ihre Vertriebserfolge. Allzu häufig feiere das Management dann einfach mit, statt das Ausplaudern von Interna zu unterbinden.
Auch Sabotage und Desinformation über das Internet sind Maaßen zufolge eine Bedrohung. „Stellen Sie sich vor, ein deutsches Unternehmen würde wegen Kinderarbeit und dergleichen mehr diskreditiert“, warnte er. Große Sorge bereite dem Verfassungsschutz zudem, dass es unter Islamisten und ausländischen Nachrichtendiensten offenbar Überlegungen für Cyber-Attacken auf kritische Infrastrukturen in Europa gebe. Details nannte Maaßen nicht. Zu den kritischen Infrastrukturen gehören aber beispielsweise die Strom - und Wasserversorgung sowie das Bankensystem.
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