„Amelie“-Regisseur Jeunet ist im Krieg mit der US-Filmindustrie

München/Paris (APA/dpa) - Der französische Regisseur Jean-Pierre Jeunet (60) hat keine guten Erfahrungen mit der US-Filmindustrie gemacht. S...

München/Paris (APA/dpa) - Der französische Regisseur Jean-Pierre Jeunet (60) hat keine guten Erfahrungen mit der US-Filmindustrie gemacht. Sein neuer Film „Die Karte meiner Träume“ sei eine französisch-kanadische Koproduktion, um ohne Amerikaner auszukommen. „Aber es geht nicht ohne“, sagte Jeunet im Interview auf dem Filmfest München. Auch mit dem mächtigen Filmboss Harvey Weinstein hat er sich angelegt.

„Ich befinde mich in einer Art Krieg mit Harvey Weinstein. Er will den Film neu schneiden, wie er es auch schon bei ‚Delicatessen‘ und bei ‚Amelie‘ machen wollte. Aber ich will das nicht, weil mein Schnitt endgültig ist“, verweigert er einen neuen Schnitt seiner Filme für den US-amerikanischen Markt. „Diese Freiheit ist mir sehr, sehr wichtig.“ Damit nimmt er auch in Kauf, dass sein jüngstes Werk vorerst nicht in den USA zu sehen sein wird.

Die US-Filmindustrie sieht Jeunet insgesamt sehr kritisch, obwohl er viele Drehbücher angeboten bekommt, etwa für den fünften Teil von „Harry Potter“. Für „Life of Pi“ habe er zwei Jahre an einer „wundervollen Adaption“ gearbeitet, die er aber aus finanziellen Gründen nicht verwirklichen konnte. „Und sie boten mir die Regie an für ‚Maleficent‘. Aber die Geschichte war so dumm und jede Woche haben sie sie geändert. Jede Woche gab es eine neue Version und sie sagten meiner Agentin, es sollte eine Mischung werden aus ‚Piraten der Karibik‘, ‚Herr der Ringe‘ und so fort. Das ist nur Geschäft.“

Jeunets jüngstes Werk, „Die Karte meiner Träume“, erzählt von einem Burschen, der in Washington einen Wissenschaftspreis bekommen soll. Dazu bricht er heimlich zu einer abenteuerlichen Reise quer durch die USA auf. Begeistert zeigt Jeunet sich von Kyle Catlett, der die Filmfigur T.S. Spivet spielt und wie diese selbst hochbegabt ist. „Er ist T.S. Spivet, er ist ein Genie. (...) Er brachte mich fast um den Verstand, er verstand den Charakter auf Anhieb, er brauchte keinen Coach, er war so erstaunlich.“