Übernahme von insolventer Weltbild-Gruppe zieht sich
Augsburg (APA/dpa) - Seit rund einem halben Jahr befindet sich der Weltbild-Konzern in der Insolvenz. Zuletzt stockten die Verhandlungen übe...
Augsburg (APA/dpa) - Seit rund einem halben Jahr befindet sich der Weltbild-Konzern in der Insolvenz. Zuletzt stockten die Verhandlungen über eine Übernahme durch einen Investor. Dem österreichischen Industriellen Josef Taus war ein Deal zu teuer. Nun kann der Insolvenzverwalter mit guten Umsatzzahlen einen Trumpf aus dem Ärmel ziehen.
Der Weltbild-Konzern hat trotz der Insolvenz zum Jahresanfang seine Umsatzziele im abgelaufenen Geschäftsjahr (30. Juni) leicht übertroffen. Wie Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz am Donnerstag mitteilte, wird die deutsche Unternehmensgruppe mit einem Umsatz von rund 610 Mio. Euro etwa 1 Prozent über den beim Insolvenzantrag festgelegten Planungsvorgaben liegen. „Erstmals seit langer Zeit verzeichnet die Verlagsgruppe wieder ein stabiles Wachstum“, teilte das Unternehmen mit.
„Weltbild ist noch nicht aus den roten Zahlen, aber die Entwicklung stimmt durchaus zuversichtlich“, sagte Geiwitz. Er nannte zwar keine konkreten Ergebniszahlen, aber es sei eine „Trendwende“ erkennbar. Seit April sei eine kontinuierliche Ergebnisverbesserung aufgrund der Kostensenkungen erreicht worden. Geiwitz hatte mit Beratern von Roland Berger ein Sanierungsprogramm entwickelt, das seit Februar umgesetzt wird.
Derzeit verhandelt Geiwitz mit der Münchner Beteiligungsgesellschaft Paragon, die das bisher von der katholischen Kirche getragene Unternehmen übernehmen will. Ursprünglich sollte der Investor schon vor Wochen den Konzern inklusive der Buchläden und der Auslandstöchter mehrheitlich übernehmen. Doch zuletzt gab es immer wieder Medienberichte, dass Paragon mit dem Betriebsrat über die Streichung von zusätzlichen Stellen verhandle - von 50 bis 250 Jobs war dabei die Rede.
Von Geiwitz wurden diese Zahlen nie bestätigt, nun kritisiert er die Verzögerungen deutlich: Es gehe jetzt weniger darum, maximale Kostenreduktionen zu diskutieren, sondern um die Konkretisierung eines gemeinsamen, tragfähigen Zukunftskonzepts, sagte er. Es sei weiterhin offen, wann es zu einem Vertragsabschluss komme. Wegen der positiven Geschäftszahlen, die den gesunden Kern der Weltbild-Gruppe zeigten, gab sich der Insolvenzverwalter selbstbewusst: „Das gibt uns Zeit für die Vertragsgestaltung mit dem Investor.“
In den vergangenen Monaten hatte Geiwitz die Mitarbeiterzahl bereits massiv reduziert. Bei der Konzernmutter und der Filialtochter waren 875 Beschäftigte in Auffanggesellschaften gewechselt. Etwas mehr als 2.000 Mitarbeiter verbleiben bei den zwei Unternehmen, etwa jedes vierte der 220 Weltbild-Geschäfte soll geschlossen werden.
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