Strenge Sicherheitsvorkehrungen vor Beisetzungsfeier in Jerusalem

Jerusalem (APA/AFP) - Nach den jüngsten Krawallen in Ost-Jerusalem herrscht vor der Beisetzung eines ermordeten jungen Palästinensers am Fre...

Jerusalem (APA/AFP) - Nach den jüngsten Krawallen in Ost-Jerusalem herrscht vor der Beisetzung eines ermordeten jungen Palästinensers am Freitag gespannte Ruhe in der Stadt. Wegen der nach dem traditionellen Freitagsgebet angesetzten Trauerzeremonie plant die Polizei mit verschärften Sicherheitsvorkehrungen und zusätzlichen Einsatzkräften in Jerusalem, wo zehntausende Muslime zum Gebet erwartet werden.

In den vergangenen Tagen hatte sich die Lage im Nahen Osten gefährlich zugespitzt. Die israelische Armee verstärkte ihre Truppenpräsenz nahe des Gazastreifens, nachdem von dort aus zahlreiche Raketen auf Südisrael abgefeuert wurden. Ministerpräsident Benjamin Netanyahu drohte der radikal-islamischen Hamas mit einem Armeeeinsatz.

Die beidseitige Gewalt folgte auf die Ermordung von drei Israelis und eines Palästinensers in dieser Woche. Der 16-Jährige Teenager war am Mittwoch in Ost-Jerusalem in ein Auto gezwungen worden, Augenzeugen zufolge von mehreren Israelis. Einige Stunden später wurde seine Leiche im Westteil der Stadt an einem Waldrand entdeckt. Das Verbrechen ereignete sich einen Tag nach der Beerdigung von drei jüdischen Religionsschülern, die ihrerseits im Westjordanland verschleppt und ermordet worden waren.

Da die Familie des palästinensischen Opfers das Ersuchen der Polizei ablehnte, die Beerdigung in der Nacht stattfinden zu lassen, ist im Verlaufe des Freitags umso mehr mit Krawallen zu rechnen. Schon in den vergangenen Tagen war es in Jerusalem zu anti-arabischen Ausschreitungen rechter Israelis sowie Zusammenstößen zwischen palästinensischen Demonstranten und Sicherheitskräften gekommen. Dabei wurden nach Angaben der Rettungskräfte vom Roten Halbmond mehr als 230 Menschen verletzt.

Vor dem Hintergrund der massiven Spannungen rief der Internationale Währungsfonds (IWF) Israel auf, die Blockade des Gazastreifens zu lockern. Die Wirtschaftslage in dem abgeschotteten Küstengebiet werde aufgrund der „zunehmenden politischen Unsicherheit“ in der Region immer schlechter, warnte der IWF-Direktor im Gazastreifen und Westjordanland, Christoph Duenwald. So sei fast jeder zweite Heranwachsende in den Palästinensergebieten arbeitslos. Eine Lockerung der israelischen Restriktionen nannte Duenwald ebenso wichtig wie die finanzielle Unterstützung der Palästinenser durch das Ausland.