ISIS-Vormarsch

Zweifel an Fähigkeiten irakischer Armee im Kampf gegen ISIS

Ist die Einheit des Irak noch zu retten? Isis-Milizen kontrollieren immer größere Gebiete. Bagdad entgleitet die Macht.

Bagdad - US-Generalstabschef Martin Dempsey zweifelt an den Fähigkeiten der irakischen Armee im Kampf gegen die ISIS-Terroristen. Die irakischen Truppen seien zwar in der Lage, die Hauptstadt Bagdad zu verteidigen, eine Offensive würde sie aber vor eine Herausforderung stellen. Es dürfte vor allem logistische Probleme geben, sagte Dempsey am Donnerstag im Pentagon in Washington vor Journalisten.

Isis-Kämpfer festigen Stellung durch Ölverkäufe auch wirtschaftlich

Die Terrorgruppe Isis versucht, ihre Macht im Irak und in Syrien zu konsolidieren. Nach der Einnahme mehrerer Ölfelder in beiden Ländern verfügen die sunnitischen Extremisten über wichtige neue Geldquellen.

Die Extremisten festigen ihre Stellung auch wirtschaftlich. Die Gruppe begann im Norden des Iraks mit dem Verkauf von Rohöl, das aus einem der größten Ölfelder des Landes in der Nähe der Stadt Kirkuk stammt. Das Öl werde über die kurdischen Autonomiegebiete in eine örtliche Raffinerie oder an die iranische Grenze transportiert, sagte der örtliche Polizeichef Schalal Abdul. Isis-Kämpfer brachten zudem im Nachbarland Syrien am Freitag ein weiteres Ölfeld unter ihre Kontrolle.

Zugleich gab es Gerüchte über eine angebliche Verwundung von Isis-Anführer Abu Bakr al-Bagdadi. Irakische Medien berichteten unter Berufung auf einheimische Sicherheitskreise, er sei bei einem Luftangriff auf den westirakischen Ort Al-Kaim wahrscheinlich verwundet worden. Die Sicherheitskreise könnten die Meldung jedoch nicht bestätigen, schrieb das Nachrichtenportal „Al-Sumeria“.

Kurden planen Unabhängigkeitsreferendum

Entscheidend für einen Erfolg im Kampf gegen Isis seien aber auch politische Fortschritte im Irak, machte Dempsey klar. Es komme darauf an, dass es der politischen Führung gelinge, eine „Regierung der nationalen Einheit“ zu bilden.

Ungeachtet dessen treiben die irakischen Kurden ihre Abspaltung und damit auch den Zerfall des Landes voran. Ihr Parlament will einen Termin für ein Referendum über die Unabhängigkeit ihrer Autonomieregion im Nordirak festlegen. Der Irak sei „fertig“, sein Ministerpräsident Nuri al-Maliki gescheitert, sagte der Außenbeauftragte der Kurdischen Demokratischen Partei (KDP), Hemin Hawrami, am Donnerstag.

Die Terrorgruppe Islamischer Staat im Irak und in Syrien (ISIS) brachte zugleich im Osten Syriens weitere Gebiete unter Kontrolle. Die Terrorgruppe beherrscht nun im Norden und Osten Syriens ein Gebiet, das von der türkischen bis zur irakischen Grenze reicht, wie die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mitteilte. Zudem kontrollieren ISIS-Milizen große Teile im Norden und Westen des Iraks.

Saudi-Arabien mobilisierte Soldaten

Saudi-Arabien reagiere mit der Mobilisierung seiner Armee auf den Abzug irakischer Soldaten von der Grenze zu Saudi-Arabien und Syrien, berichtete der Nachrichtenkanal „Al-Arabiya“. Eine offizielle Bestätigung aus Riad gab es dafür zunächst nicht. Die Grenze zwischen den beiden Ländern ist mehr als 800 Kilometer lang.

Der Schwestersender „Al-Hadath“ hatte am Mittwochabend ein Video veröffentlicht, das angeblich irakische Soldaten zeigt, die sich von der Grenze zu Syrien und Saudi-Arabien zurückgezogen haben. Demnach sollen insgesamt 2500 irakische Militärangehörige die Grenzgebiete verlassen haben. Das irakische Militär wies den Bericht jedoch zurück. Entsprechende Meldungen seien eine Lüge, sagte ein Sprecher.

ISIS hatte vergangenen Sonntag ein islamisches Kalifat in den beiden Ländern ausgerufen. Zugleich benannte sich die Gruppe in „Islamischer Staat“ (IS) um. Ihr erklärtes Ziel ist der Marsch auf Bagdad.

Der saudische König Abdullah und US-Präsident Barack Obama riefen die führenden Politiker des Irak laut Weißem Haus auf, eine neue Regierung zu bilden, die alle Gruppen des Landes vereine. Der schiitische Ministerpräsident Al-Maliki möchte im Amt bleiben. Schiitische, sunnitische und kurdische Politiker fordern jedoch seinen Rückzug. (APA/dpa)