Das Affentheater von Delhi

Neu-Delhi (APA/dpa) - An einer viel befahrenen Kreuzung in Neu Delhi: Zwei junge Männer steigen aus einem Auto, und wie aus dem Nichts füllt...

Neu-Delhi (APA/dpa) - An einer viel befahrenen Kreuzung in Neu Delhi: Zwei junge Männer steigen aus einem Auto, und wie aus dem Nichts füllt sich der staubige Straßenrand mit Affen. Sie kommen von den Bäumen und durch den Zaun, der den dahinter liegenden Park umgibt. Angelockt werden sie von den Früchten, die Sonu und sein Bruder in die Menge werfen.

Mehr als dreißig braungraue Rhesusaffen setzen sich auf ihre roten Hintern und schälen Mangos. Es ist Dienstag, der Tag des Gottes Hanuman, der aussieht wie ein Affe und eine der zentralen Figuren in der hinduistischen Mythologie ist. „Ich komme jeden Dienstag hierher“, sagt der 35-jährige Sonu, „und füttere die Affen, damit Hanuman mich segnet“.

In Delhi sind die Affen los. Mehr als 25.000 sollen es im Stadtgebiet sein, eine offizielle Zahl gibt es nicht. Sie müssen ihr Revier mit mittlerweile mehr als 16 Millionen Menschen teilen, die sich auf dem engen Raum der Stadt drängen. Zudem wächst die Metropole an ihren grünen Rändern, an denen die Affen früher ungestört blieben.

Anders als Sonu haben viele ein Problem mit den Affen: Auf der Suche nach Nahrung kommen sie in Wohngebiete, stehlen Essen und erschrecken Anrainer im Stiegenhaus. Lokale Medien berichten immer wieder von Affenbissen. Einige Ministerien weisen ihre Mitarbeiter an, die Fenster geschlossen zu halten. Ein stellvertretender Bürgermeister von Delhi fiel 2007 bei dem Versuch, eine Gruppe von Affen zu vertreiben, von seinem Balkon und starb.

„Sie beißen, wenn man sie provoziert, manchmal auch nur, weil man sie streicheln will. Das Problem ist vor allem, dass die Leute nicht wissen, wie man sich gegenüber Wildtieren verhält“, sagt Sonya Ghosh, Tierrechtsaktivistin aus Delhi.

Bereits 2007 wies Delhis höchstes Gericht die städtischen Behörden an, sich um die Affenplage zu kümmern. Seitdem hat Delhis Forst- und Wildtieramt das Füttern untersagt und bietet an, Futterspenden in Hanuman-Tempeln abzugeben.

Zudem einigte man sich darauf, die Tiere in das Asola Tierschutzreservat südlich der Stadt zu bringen. Nach einem Bericht der „Times of India“ gibt es bis heute allerdings nur acht offizielle Affenfänger. „Die Tierfänger sind nicht richtig ausgebildet. Sie trennen bestehende Gruppen und machen die Affen nur noch aggressiver“, beklagt Ghosh.

Frustrierte Bewohner versuchen, Affen mit Affen zu bekämpfen: Sie rufen Languren-Halter, die mit ihren größeren, schwarzgesichtigen Jagdaffen die kleineren Artgenossen vertreiben - zumindest kurzfristig. Doch seit 2012 ist die Haltung von Languren aus Tierschutzgründen untersagt und diese Methode der Affenbekämpfung offiziell nicht mehr möglich.

Auch die Zwangsumsiedlung in den Naturpark löst das Problem nicht. „Wir haben bereits rund 17.000 Affen hier ausgesetzt, jeden Monat bringen die Fänger 50 bis 100 Tiere her“, sagt ein Ranger des Parkes. „Sie bekommen Futter von uns. Aber wir können sie nicht zwingen, hier zu bleiben.“