Dicht und überzeugend: „Effi Briest“ in Reichenau

Reichenau (APA) - Nicolaus Hagg hat für die Festspiele Reichenau eine neue Bühnenfassung von Theodor Fontanes Roman „Effi Briest“ erstellt, ...

Reichenau (APA) - Nicolaus Hagg hat für die Festspiele Reichenau eine neue Bühnenfassung von Theodor Fontanes Roman „Effi Briest“ erstellt, die am Donnerstagabend im Großen Saal zur Premiere gelangt ist. Regina Fritsch ist eine dichte, überzeugende Inszenierung gelungen.

Überdrehtes Vogelgezwitscher umfängt das Publikum bereits vor Beginn, das Kulissenbild zeigt bläulichen Nebel und Wasserflächen, davor ein Rattanstuhl und eine Anrichte mit Teegebäck, an den Wänden des Zuschauerraums hängen Dünenlandschaften mit Meeresstrand. Es ist kein weiter Weg vom „weiten Feld“, das der alte Briest (in seiner hilflosen Güte hervorragend: Martin Schwab) mit Vorliebe zitiert, bis zum Schnitzler‘schen „weiten Land“, und somit verbindet auch ein inhaltlicher Faden zwei Reichenauer Festspielproduktionen dieses Sommers, bei aller Unterschiedlichkeit.

Regina Fritsch verwendet in ihrer Regie genau jene Dosis an Ironie, Überzeichnung und Sentiment, die als ideales Gemisch der Darstellbarkeit des tragischen Geschehens zuträglich ist, und gestaltet großartige Charaktere wie den diabolischen Diener Kruse (Rainer Friedrichsen), den verständigen Apotheker Gieshübler (Hans-Dieter Knebel) oder den lebensklugen Ministerialrat Wüllersdorf (Hannes Gastinger). Sie selbst gibt die harte Mutter Luise, ihre Tochter Alina in der Titelrolle liefert die erfreulichste Überraschung, indem sie die Entwicklung vom kindlichen Wildfang über die jugendliche Baronin bis zur gebrochenen jungen Frau glaubhaft nachvollzieht. Michael Dangl als Landrat Innstetten ist ihr kühler Ehemann, dessen Wandlung zu spät kommt, Sascha Oskar Weis der vitale Verführer Crampas, Emese Fay das sensible Kindermädchen Roswitha.

Atmosphärisch fein gestaltet sind die mysteriös-traumartigen Übergänge - nicht zuletzt dank der geschickt arrangierten Musik (Bernhard Moshammer). Wie immer geschmackssicher wirkt das Bühnenbild von Peter Loidolt. Am Ende, nachdem sich die alten Briests gefragt haben, ob sie vielleicht doch etwas falsch gemacht haben, wird noch einmal das Kinderlachen vom Anfang eingeblendet - eine letzte Reminiszenz an das Unwiederbringliche.

(S E R V I C E - Festspiele Reichenau: Theodor Fontane / Nicolaus Hagg, „Effi Briest“. Regie: Regina Fritsch, Bühne: Peter Loidolt, Kostüme: Caterina Czepek, Mit Regina Fritsch, Alina Fritsch, Martin Schwab, Michael Dangl, Rainer Friedrichsen, Hannes Gastinger, Hans-Dieter Knebel, Sascha Oskar Weis und Emese Fay. Vorstellungen bis 3. August. Nur noch Restkarten erhältlich. Tel. 02666/52528, www.festspiele-reichenau.com)

(Der vorliegende Bericht bezieht sich auf die Hauptprobe vom Mittwoch.)