Iberern ist die zweite Achse wichtig
Ein Segen für die Gebirgsländer: Seat baut sein Allradangebot aus – erstmals profitiert der kompakte Leon in Form des ST-Kombis von der im VW-Konzern weitverbreiteten 4WD-Technik.
Von Markus Höscheler
Madrid –Wenn es um die kundengerechte Auffächerung des Fahrzeugprogramms geht, ist kaum ein Konzern so gut aufgestellt wie Volkswagen. Die Wolfsburger haben nicht nur die Aufsicht über ein gerade noch überschaubares Heer von Töchtern, sondern auch über ein unübersichtliches Baureihen-Angebot. Es verwundert außerdem nicht im Geringsten, dass das Unternehmen weiterhin eifrig mit dem Ausweiten beschäftigt ist. Ein gutes Beispiel für diese Strategie ist der Leon, ein Kompaktwagen von Seat. Er basiert auf jener Fertigungstechnik, auf die der Konzern-Vorstandsvorsitzende Martin Winterkorn schwört: dem MQB (Modularer Querbaukasten).
Eigentlich müsste es modularer Zauberkasten heißen, denn mit dem MQB lassen sich zahlreiche Karosserie- und Antriebsvarianten verwirklichen. Vom Leon gibt es eine fünftürige Schräghecklimousine, ein dreitüriges Sportcoupé, einen Kombi namens ST, einen Erdgasantrieb und das 280 PS starke Sportderivat Cupra. Zwei weitere Leon-Spielarten in diesem Jahr sind die Allradmodelle 4Drive und X-Perience (siehe Kasten).
Den 4Drive verknüpft Seat beim Leon vorerst ausschließlich mit Dieselmotoren (im Gegensatz zum X-Perience). Und zwar lässt sich die Haldex-5-Technik entweder mit dem 105 PS starken 1,6-Liter-Vierzylinder-Turbodiesel kombinieren oder mit dem Zweiliter-Selbstzünder, der 150 PS leistet.
Kern der 4WD-Einheit ist eine Lamellenkupplung mit hydraulischer Betätigung und elektronischer Regelung. Bei Traktionsverlusten reagiert das Steuergerät innerhalb weniger Millisekunden mit einer stufenlosen Änderung der Drehmomentverteilung. Im Fahrbetrieb merkt der Lenker bei kleineren Eingriffen praktisch nichts vom Vorgang, wie wir bei ersten Fahrerprobungen in Madrid feststellten. Zusätzliche technische Features wie EDS und XDS machen die Fahrt noch sicherer: Damit sind elektronische Differenzialsperren und radselektive Bremseingriffe gemeint, die für bessere Kurventraktion sorgen.
Das Allradmehrgewicht schlägt sich leicht auf den Normverbrauch nieder. Der 1.6 TDI benötigt im Schnitt dennoch nur 4,5 Liter Treibstoff je 100 Kilometer (CO2-Ausstoß: 119 g/km), der 2.0 TDI verlangt nach 4,8 Litern (CO2: 124 g/km) für die gleiche Wegstrecke. Die zu vergleichenden Fronttriebler brauchen 3,8 beziehungsweise 4,1 Liter Kraftstoff.
Die günstigste Eintrittskarte für einen 4,54 Meter langen Leon ST 4Drive lässt sich mit dem Einsatz von 23.690 Euro lösen. Dafür gibt es 105 PS und die Reference-Basisausstattung, die mit manueller Klimaanlage, 15-Zoll-Stahlfelgen, Halogen-Scheinwerfern, Komfortfahrwerk, Media-System-Touch mit Fünf-Zoll-Display und asymmetrisch geteilter Rücksitzbank aufwartet. Für Style sind 1800 Euro mehr fällig, dafür gibt es ein Multifunktionslenkrad, Mittelarmlehnen und Tempomat. FR ist nur für den 150 PS starken Diesel vorgesehen: mit Zweizonen-Klimaautomatik, 17-Zoll-Alufelgen, Doppelrohr-Auspuff, Sportfahrwerk und Sportsitzen vorne. Dafür benötigt der Käufer 29.190 Euro an baren Mitteln.
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