Kunst

Das würdige Vermächtnis einer Kunstfreundin

© Thomas Böhm / TT

Am 10. Oktober wird der erste große Kunstpreis der Klocker-Stiftung vergeben. In der von einem Skulpturengarten umgebenen Villa der Stifterin.

Von Edith Schlocker

Innsbruck –Das Haus, in dem Emmy Klocker bis zu ihrem Tod vor acht Jahren – umgeben von ihrer Kunst – gelebt hat, ist derzeit zwar eine Baustelle, die Stiftung der Kunstsammlerin allerdings nicht. Sie arbeite intensiv, so Anton Klocker, der Vorsitzende des Verwaltungsrats der Klocker-Stiftung. Entgegen so manchen Gerüchten bleiben die 1959/60 in Arzl erbaute Villa der Klockers ebenso wie der rund 3500 Quadratmeter große Garten unangetastet. Das Wohnhaus wird nach seiner Generalsanierung wieder mit den Möbeln und Lieblingsbildern von Emmy Klocker, u. a. von Max Weiler, bestückt, in den Garten werden ausgewählte – wetterfeste – Skulpturen von Wotruba über Wach, Trenkwalder, Bruch und Gappmayr gestellt.

Am 10. Oktober wird die Villa Klocker ihre Tore anlässlich der Vergabe des ersten großen Kunstpreises öffnen, der – alternierend mit einem Förderpreis – alle zwei Jahre vergeben wird. An wen, wird noch nicht verraten, es wird allerdings eine Tiroler Künstlerin sein, mit der – wie aus Insiderkreisen zu erfahren war – die Preisstifterin ihre Freude haben würde. Der große Kunstpreis der Klocker-Stiftung ist mit seiner Preissumme von 20.000 Euro der höchstdotierte Preis seiner Art in Tirol und einer der attraktivsten in ganz Österreich.

Verbunden mit einem Ankauf durch die Stiftung, einer Publikation sowie einer Ausstellung, vorerst im Innsbrucker Kunstpavillon. Bewerben kann man sich um den Preis nicht, die Qual der Wahl liegt in den Händen einer hochkarätig besetzten Jury, die – vorerst für fünf Jahre – aus Benedikt Erhard (Verwaltungsrat der Klocker-Stiftung), dem international umtriebigen Ausstellungsmacher Edelbert Köb, der Tiroler Künstlerin Eva Schlegel und der Wiener Kuratorin Elsy Lahner besteht. Der für junge Kunst reservierte Förderpreis ist mit 5000 Euro dotiert, ebenfalls mit einem Ankauf verbunden und eventuell teilbar.

„Wir betrachten uns als Erbhofbauern“, sagt Anton Klocker, als Großneffe von Hans Klocker Verwaltungsrat-Vorsitzender der Stiftung. Die dem Gedächtnis von Hans Klocker, dem Mann von Emmy und Vater des früh verstorbenen Wolfgang Klocker, gewidmet ist. Im Auftrag der Stiftung hat Edelbert Köb in den vergangenen Monaten die rund 1120 Bilder und Grafiken sowie 35 Skulpturen umfassende Klocker-Sammlung analysiert. Die seit den 60er-Jahren aus reiner Liebhaberei gewachsen ist und qualitativ entsprechend ambivalent sei, so Köb. Geprägt von der Vorliebe der Sammlerin für Figurales und Surreales mit nur einzelnen Beispielen von Abstraktem bzw. Konzeptuellem. Schwerpunktmäßig ausgerichtet auf Kunst aus Tirol bzw. Österreich mit einem Baselitz-Bild als einziger Ausnahme.

Für die Zukunft der Sammlung wird von den Juroren gemeinsam mit dem Ferdinandeum, dem die Kunstwerke anvertraut werden, nun ein längerfristiges professionelles Konzept erstellt. Durch gezielte Ankäufe sollen laut Köb Lücken beider Sammlungen geschlossen, Ergänzungen unternommen, neue Türen aufgemacht werden. Möglich gemacht durch ein Ankaufsbudget, das – je nach Stiftungsertrag – zwischen 100.000 und 200.000 Euro jährlich ausmacht. In welche Richtung es gehen soll, zeigen erste Ankäufe: mit Arbeiten von Heinz Gappmayr, Lois Weinberger, Martha Jungwirth, Helga Philipp und Martina Steckholzer Kunst der unterschiedlichsten Art auf höchstem Niveau.

Die Klocker-Sammlung soll in die nach dem Umbau des Tiroler Landesmuseums anstehende Neuaufstellung einfließen. „Die Freude darüber wird sich an der Großzügigkeit der Stiftung messen“, meint Benedikt Erhard vieldeutig. Einen eigenen Klocker-Saal wird es allerdings nicht geben.

Die Jury ist auch für die Nominierung der ein bis zwei europaweit ausgeschriebenen Stipendien zuständig. Die ausgewählten KunsttheoretikerInnen sollen drei bis sechs Monate in der Villa Klocker leben und Aspekte der Sammlung erforschen. Der Berliner Michael Rottmann ist der erste, beschäftigt mit einer sprachphilosophischen Reflexion der Kunst Gappmayrs.

Die Villa Klocker samt Skulpturengarten soll zwar an gewissen Tagen bzw. zu speziellen Events öffentlich zugänglich sein. Virtuell ist die Sammlung allerdings bereits jetzt durch die Homepage www.klockerstiftung.at öffentlich.