Irak-Krieg - Armee Seite an Seite mit früheren Feind-Milizen
Bagdad (APA/AFP) - Einst hat Iraks Armee sie bekämpft - nun sieht sie sich gezwungen, im Kampf gegen den sunnitischen Aufstand mit schiitisc...
Bagdad (APA/AFP) - Einst hat Iraks Armee sie bekämpft - nun sieht sie sich gezwungen, im Kampf gegen den sunnitischen Aufstand mit schiitischen Milizen zu kooperieren. Angesichts der sunnitischen Gruppierung Islamischer Staat (IS), die mittlerweile weite Teile des irakischen Nordens und Westens kontrolliert, setzt Bagdad auf frühere Feinde. Dabei steigt das Risiko, den Riss in Iraks Gesellschaft noch zu vertiefen.
Informationen darüber, ob und wie schiitische Milizen an der Seite der irakischen Armee kämpfen, sind schwer zu bekommen - zumal hohe Stellen bis hin zum Sprecher von Ministerpräsident Nuri al-Maliki eine Zusammenarbeit leugnen. Nach militärischen Angaben ist indes die Gruppe Asaib Ahl al-Hak eine der aktivsten Milizen, in der östlichen Provinz Diyala kämpft sie demnach an der Seite von Polizei und Armee. Rund um die Hauptstadt Bagdad ist sie ebenfalls präsent.
Jüngst gab es außerdem in der Stadt Najaf Beerdigungen für Kämpfer der Asaib Ahl al-Hak und anderer Gruppen - was ebenfalls deren Teilnahme an Kämpfen gegen die radikalen sunnitischen Aufständischen nahelegte. Asaib Ahl al-Hak hatte sich einst von der seit 2008 aufgelösten mächtigen Mahdi-Armee des irakischen Schiitenführers Moktada al-Sadr abgespalten.
Nicht zuletzt kündigte der Schiitenführer al-Sadr selbst kürzlich die Bildung von „Friedensbrigaden“ an, die an der Seite irakischer Sicherheitskräfte religiöse Orte vor Angriffen schützen sollen. Die irakische Armee ist ihrerseits schwach und kann die Unterstützung gut gebrauchen: Die Moral innerhalb der Milizen ist höher, sie bringen Kampferfahrung mit - und schlicht eine große Zahl von Bewaffneten.
Doch Experten sehen in der Zusammenarbeit erhebliche Risiken. Das Wiedererstarken der schiitischen Milizen werde die sunnitische Minderheit „beunruhigen, da sie in zahlreiche Konfessionsmorde verstrickt waren“, sagt John Drake von der Risikomanagement-Firma AKE-Group. Die schiitisch geprägte Regierung und die internationale Gemeinschaft dürften es damit schwer haben, einen „ernsthaften Dialog“ mit den Sunniten zu beginnen. So könne sich die Polarisierung der Gesellschaft noch verschärfen.
Das letzte Mal, als die schiitischen Milizen derart erstarkt seien, sei es schließlich 2008 zu einem verlustreichen Einsatz gegen die Mahdi-Armee gekommen, gibt Drake außerdem zu bedenken. Dieser sei letztlich nur mit US-Unterstützung geglückt. „Das Problem ist nun aber, dass die Regierung nicht mehr dieselbe militärische Unterstützung der Amerikaner hat“, sagt er.
Viele Milizionäre beschreiben ihren Einsatz als einend für das Land. „Wir sind eine Friedensarmee“, sagte erst kürzlich bei einer Militärparade in Sadr-City einer von ihnen, Ali al-Sayadi. „Wir sind Finger derselben Hand - Sunniten, Schiiten, Kurden, und wir werden dieses Land nicht verkaufen“. Ein anderer Kämpfer sagte, er mache beim Kampf gegen den Extremismus keinen Unterschied zwischen den Konfessionen. Doch lässt er Zweifel an seiner eigentlichen Gesinnung nicht aufkommen: „Wir sind die Söhne von Sadr.“
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