Kunst

Überleben im Widerständigen

Installation von Barbara Huber in Schloss Büchsenhausen.
© Huber

Zwölf Tiroler Künstler stellen sich im Künstlerhaus Büchsenhausen selbst aus.

Von Edith Schlocker

Innsbruck –Der Titel der Gemeinschaftsausstellung von zwölf Tiroler KünstlerInnen „falsch ist richtig – wirklichkeit als performativer prozess“ ist Programm. Hat allerdings weniger mit den Inhalten des Gezeigten zu tun als der Situation der Ausstellenden. Die, aus Mangel an Orten der Präsentation, sich selbst einen solchen gesucht und im Künstlerhaus Büchsenhausen einen wunderbaren gefunden haben. Der leider viel zu selten bespielt wird, wie das gesamte – von der Tiroler Künstlerschaft bespielte – Haus leider fast ausschließlich unter Ausschluss der Öffentlichkeit vor sich hinschlummert.

Am Vernissageabend brodelte es dagegen in Haus wie Garten. Schön für die Künstler, die aus den unterschiedlichsten Kunstecken herkommen. Um gerade in diesem Nebeneinander auch gravierende qualitative Unterschiede fühlbar zu machen. Absolut nichts zu mäkeln gibt es an der zweiteiligen Arbeit „more trees, but not just for trees“ von Christine S. Prantauer, in der es um die Besetzung bzw. Räumung des Geziparks in Istanbul geht. Fast unmerklich gepuzzelt als Verschnitt aus Bildern beider Zustände.

Als Geste trotziger Verweigerung von Ursula Groser mag der Stapel aus 25.000 grauen Visitkarten verstanden werden, der sich um die widerständige literarische Figur Herman Melville dreht. Sehr poetisch kommen im Gegensatz dazu die 420, von Andreas Holzknecht gemalten landschaftlichen Idyllen im Postkartenformat daher. Gesellschaftskritisch ist wiederum Michaela Niederkircher in ihrer zweiteiligen Fotoarbeit „disillusion – big Illusion“ zugange, wenn sie die Fassade des Kaufhaus Tyrol zur kitschigen Weihnachtskrippe stilisiert im Gegensatz zum sterilen Selbstbedienungsterminal einer Bank.

Subtil mit unterschiedlichen Formen der Wahrnehmung spielt Nora Schöpfer in ihrer Installation. Barbara Huber thematisiert durch das Besticken weißer, nicht tragbarer Kleider die Frage nach dem scheinbar Normalen im Gegensatz zum auszugrenzenden Abnormalen. Überschwebt von einer aus fragilen goldenen Fäden genetzten, allerdings geplatzten Wolke.

Albin Schutting hat ein düsteres Daumenkino auf einen bekritzelten Sockel gelegt, Elisabeth Schutting lässt outdoor sechs durchsichtige Plastikfiguren im Wind wehen. Mit viel metaphorischer Schwere ist das Floß mit dem zweideutigen Namen „über_setzen“ von Christian Streng aufgeladen. Bernhard Lochmann hat zwei Plakatständer in den Raum gestellt, um kapitalistische Machtspiele zu thematisieren.

Ein grenzwissenschaftliches Labor hat Irmgard Mellinghaus eingerichtet. Die absente Forscherin ist hypothetisch, allerdings immer in Kontakt mit einer Künstlerin, die nicht zufällig I. heißt. Als einzige der ausgestellten Arbeiten performativ ist die von Franz Wassermann. Sie besteht aus einem Stuhl und einem in dessen Lehne geklemmten Spiegel und heißt „Des Kaisers neue Kleider“. Um sich auf diesen Thron zu setzen, muss der Ausstellungsbesucher Haltung annehmen, sein widerständiges Potenzial aktivieren, wie Wassermann hofft.