Sharp stellt Europa-Geschäft auf den Prüfstand
Tokio (APA/AFP/dpa) - Der japanische Elektrohersteller Sharp stellt sein Europa-Geschäft auf den Prüfstand. Das Unternehmen prüfe derzeit „m...
Tokio (APA/AFP/dpa) - Der japanische Elektrohersteller Sharp stellt sein Europa-Geschäft auf den Prüfstand. Das Unternehmen prüfe derzeit „mehrere Möglichkeiten zur Restrukturierung“ seiner Aktivitäten in Europa, erklärte Sharp am Freitag. Derzeit sei noch nichts entschieden. Die japanische Wirtschaftszeitung „Nikkei“ berichtete, der Konzern wolle sich von einigen Geschäftsfeldern in Europa trennen .
Nach Schätzungen von „Nikkei“ dürften im ersten Schritt rund 300 Mitarbeiter ihren Job verlieren, weitere Stellenstreichungen seien wahrscheinlich, sobald das TV-Geschäft verkauft sei.
Sharp plane unter anderem, seine Fernseher-Fabrik in Polen an das taiwanische Unternehmen TPV Technology zu verkaufen. Dieses solle über eine Lizenz weiter Fernseher der Marke Sharp verkaufen. Die Herstellung und der Verkauf von Haushaltsgeräten wie Mikrowellen soll demnach künftig über die türkische Gruppe Vestel als Lizenznehmer organisiert werden.
Aus dem Geschäft mit Solar-Panels wolle sich das Unternehmen in Europa ebenfalls zurückziehen und deshalb seine Anteil an einem Joint Venture mit der Enel Group an einen italienischen Partner für rund 3 Mrd. Yen (21,6 Mio. Euro) abstoßen.
Sharp hatte nach zwei Jahren mit enormen Verlusten im zurückliegenden Geschäftsjahr bis Ende März erstmals wieder einen Gewinn verbucht. Das Unternehmen erzielt mehr als 60 Prozent seines Absatzes im Ausland, davon aber nur einen Bruchteil in Europa. Künftig will sich Sharp laut „Nikkei“ deshalb auf die lukrativeren Märkte in Asien und Nordamerika konzentrieren.
Sharp hatte seine LCD-Produktionsstätte in Polen 2007 in Betrieb genommen. Insgesamt 60 Prozent seines Umsatzes mache das Unternehmen außerhalb von Japan. In Europa hält Sharp nach Zahlen der Marktforscher von NPD DisplaySearch allerdings nur einen Marktanteil von 1,6 Prozent. Gegenüber Umsätzen von 1,4 Mrd. Dollar in Europa habe Sharp im vergangenen Geschäftsjahr in China 8,8 Mrd. Dollar eingenommen.
In den 2000er Jahren gehörte Sharp zu den Pionieren, als die neue Technologie der flachen Fernseher mit Flüssigkristall-Bildschirm (LCD) aufkam. Massiver Konkurrenzdruck, Preiskämpfe auf den Verbrauchermärkten und hohe Investitionskosten in Fabrikanlagen hatten dem Unternehmen zugesetzt. 2012 sah Sharp sogar seine Existenz bedroht. Nach der rigorosen Streichung von tausenden Stellen und einem Konzernumbau schaffte es der Elektronikkonzern im Ende März abgelaufenen Geschäftsjahr schließlich wieder in die Gewinnzone.
Vor allem relativ junge Anbieter aus China fordern die traditionellen Elektronikhersteller heraus. Die zur TPV Holding gehörende Marke AOC ist inzwischen auch in Europa auf dem Markt zu finden. Vor gut zwei Jahren hatte der niederländische Elektronikhersteller sein TV-Geschäft in das Joint Venture TP Vision ausgelagert, an dem TPV Technology 79 Prozent der Anteile hält.
Sharp habe rund zehn Vertriebsniederlassungen in Europa. Ein ähnliches Lizenzmodell sei auch für das Geschäft mit Haushaltsgeräten mit dem türkischen Unternehmen Vestel in der Planung.
~ ISIN JP3359600008 WEB http://www.sharp-world.com/ ~ APA306 2014-07-04/13:15
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