Gesellschaft

„Katastrophe wäre, nichts zu tun“

Seit 40 Jahren engagiert sich die Caritas Tirol im Ausland. Kein Grund zu feiern, denn gleich zwei Brandherde dieser Welt verlangen die ganze Aufmerksamkeit.

Von Marco Witting

Innsbruck –Zwei Millionen Flüchtlinge, auf einem Gebiet so groß wie Tirol. Die Folgen? Für uns unvorstellbar. Es fehlt an allem: Wasser, Essen, Kleidung, Unterkunft, Hoffnung. Was sich derzeit im Libanon infolge der Situation in Syrien abspielt, berichten die Helfer der Caritas eindrucksvoll – und es macht traurig. Familien, die mit acht Kindern auf der Flucht sind, getrennt werden und nichts anderes haben als eine selbstgebaute Hütte aus Waschmittelkartons.

Anderer Kontinent, dieselben Probleme. In Burkina Faso und Mali herrscht Alarmstimmung – abseits der Schlagzeilen, unbeachtet von der Weltöffentlichkeit. Die Regenzeit war zu kurz, die Erntevorräte gehen jetzt schon zu Ende. Und auch hier leiden vor allem Frauen und Kinder.

Es sind diese Brandherde, die die Caritas Auslandshilfe in ihrem 40. Jahr beschäftigen. „Angesichts solcher Katastrophen bleibt oft bei uns eine gewisse Ratlosigkeit zurück“, erklärt der Innsbrucker Diözesanbischof Manfred Scheuer. Doch es gibt die Möglichkeit zu helfen. Und Scheuer fordert diesbezüglich auch einen „Verzicht auf einen Teil des Wohlstandes unsererseits“ aus internationaler Solidarität. Die Situation in Syrien, dem Libanon und anderen Staaten sei auch ein Aufruf für größere Solidarität und Gastfreundschaft in Österreich. Ein klares Signal in der Asyldebatte. Scheuer: „Sowohl Gastgeber als auch der Gast sind zugleich Gebende und Nehmende, Schenkende und Beschenkte.“

Caritas-Direktor Georg Schärmer wies auf die vielfältigen Aktionen bei der Augustsammlung hin. Den Katastrophen in dieser Welt solle man die rote Karte zeigen. Und Schärmer wagte einen Blick zurück. Seit über 40 Jahren sei die Caritas Tirol im Westsahel tätig. Auch damals sei es eine Hungerkatastrophe gewesen, die die Verantwortlichen auf den Plan gerufen habe. Seither gelte: „Eine Katastrophe wäre es, nichts zu tun.“

Schärmer strich auch hervor, wie spendenfreudig die Tiroler seien. „Tirol ist ein Vorzeigeland für soziales Engagement. ‚Kinder für Kinder‘, die SOS-Kinderdörfer oder die Caritas Auslandshilfe, das alles wurde in Tirol gestartet. Warum? Weil wir selbst als Land lange leidgeprüft waren.“

Die Erfolge der Projekte in Afrika würden für sich sprechen. So sei die Lebensmittelsituation in Burkina Faso und Mali, wo man sich seit Jahren engagiert, wesentlich besser und ausgewogener als in anderen Regionen. Dies wolle man auch heuer weiter ausbauen.

Aktionen der Caritas

Klassisch: Kampagne gegen den Hunger 2014, so lautet das Kennwort für die Augustsammlung der Caritas Tirol. Bei der Raiffeisen-Landesbank kann über das Konto: AT79 3600 0000 0067 0950/BIC RZTIAT22 oder via www.caritas-tirol.at gespendet werden.

Marmeladeglas: Ein leeres Glas Marmelade kann zum Katastrophenhelfer werden – mit dem passenden Aufkleber der Caritas. Jeder Cent, der im Sommer darin landet, hilft. Infos unter 0512/7270 31.

Sammelaktion: Gemeinsam mit MPreis sammelt die Caritas am 2. August vor jeder Filiale der Lebensmittelkette. Dafür sucht man auch noch Freiwillige, die bei der Sammlung helfen. Anmeldung unter empfang.caritas@dibk.at.