Bachmann-Preis: Der Nachmittag gehörte den Schweizern

Klagenfurt (APA) - Der Freitagnachmittag beim Wettlesen um den Bachmann-Preis im Klagenfurter ORF-Theater gehörte den Schweizern. Der Auslos...

Klagenfurt (APA) - Der Freitagnachmittag beim Wettlesen um den Bachmann-Preis im Klagenfurter ORF-Theater gehörte den Schweizern. Der Auslosung geschuldet, lasen die beiden eidgenössischen Teilnehmer Michael Fehr und Romana Ganzoni unmittelbar hintereinander. Fehr beeindruckte die Jury, auch mit seinem Vortrag, Ganzoni fiel hingegen durch.

Michael Fehr trug Auszüge aus „Simeliberg“ vor. Er zeichnet in stark schweizerisch gefärbtem Deutsch ein beklemmendes Bild eines Schweizer Dorfes, in dem sich allerlei skurrile Typen tummeln. Ein „Gemeindsverwalter“ muss sich um Probleme kümmern, eine Frau ist angeblich verschwunden, er soll nachsehen. In einem anderen Textausschnitt gerät er in Bedrängnis durch eine Gruppe Studenten, die bewaffnet in Pseudouniformen im Wald umgehen. Die Fragmentierung des Textes sorgte allerdings für ein wenig Verwirrung.

Juri Steiner, der Fehr vorgeschlagen hat, erklärte zuallererst den Titel des Buches, „Simeliberg“ sei in der Schweiz jedermann ein Begriff, es stamme aus einem sehr bekannten Volkslied. Fehr sei ein „magischer Mystiker“, der sich in die Schweizer Eigenarten vertiefe. Hubert Winkels sah eine „perfekte Struktur“, der Text sei sehr in sich geschlossen und eindrucksvoll. Für Daniela Strigl war es „zeitgenössisches Schweizer Bauerntheater“, das sie sehr originell gefunden habe. Meike Feßmann konzedierte, sie sei dankbar für die Interpretationen, denn sie sei dem Text auf den Leim gegangen. Arno Dusini glaubte ein „Schreibprojekt“ vor sich zu haben, das ihn beeindrucke, es bestehe aber die Gefahr der Überinstrumentierung. Für Hildegard Keller macht Fehr die Sprache zu einem „langsamen Tier“. Burkhard Spinnen meinte, der Vortrag werde oft als nicht so wichtig erachtet, „und hier umarmen wir ihn“. Er könne den Text beim Lesen zwar zum Klingen bringen, aber „Schweiz kann ich nicht“.

Abschließend las Romana Ganzoni „Ignis Cool“. Die Hauptfigur ist Bruna, eine junge Frau, der von ihrer Mutter ein Auto aufgedrängt wird, ein Suzuki Ignis Cool. Sie bleibt mit eben diesem Auto auf einer Passhöhe liegen, ihr ist das Benzin ausgegangen. In Rückblenden wird ihr Aufwachsen erzählt, bis Bruna plötzlich im Rückspiegel ihres Autos ihre Mutter erblickt, die ein Jausenbrot auspackt und zu essen beginnt. Da überlegt sie, wie sie ihre Mutter umbringen kann. Das Ende ist ein wenig verrätselt, deutet aber doch sehr auf einen Selbstmord der Hauptdarstellerin hin.

Feßmann fand den Text ebenso langweilig wie Winkels. Spinnen fand es „unendlich schade“, dass die Autorin ihre Figur „kaputtgelesen“ hätte. Der Text sei handwerklich „okay gemacht“, so der Juryvorsitzende, der Ganzoni riet, an ihrem Vortrag zu arbeiten. Strigl sah das Problem, dass der Selbstmord „zu bestellt und zu abrupt“ wirke. Keller, die Ganzoni ausgewählt hatte, verteidigte ihre Autorin naturgemäß, sie bestritt aber, dass es am Ende tatsächlich einen Selbstmord gibt. Steiner befand, Mutter und Tochter würden in diesem Text „gemeinsam einen Molotow-Cocktail trinken“. Dusini sah das Finale als Aufforderung, weiter zuzuhören.

Der Wettbewerb wird am Samstag mit den letzten drei Lesungen abgeschlossen. Den Auftakt macht Katharina Gericke, gefolgt von Tex Rubinowitz, den Abschluss macht Georg Petz.