Schlichten für das Kindeswohl
400-mal wurde die Familiengerichtshilfe in Tirol und Vorarlberg eingeschaltet.
Innsbruck –In Scheidungs-und Trennungsverfahren leiden die Kinder am schlimmsten. Denn oft wird auch um sie gestritten. Da geht es um die Obsorge und Besuchskontakte. „Im Mittelpunkt muss immer das Kindeswohl stehen“, betonte gestern Justizminister Wolfgang Brandstetter beim Besuch der Familiengerichtshilfe in Innsbruck. Mit dem Vollausbau am Standort Innsbruck – drei SozialarbeiterInnen und sieben PsychologInnen – können jetzt alle Gerichte in Tirol versorgt werden. 2012 startete der Modellversuch. „Wir arbeiten im Auftrag der Richter und unterstützen sie in den Verfahren“, schildert die Aufbaukoordinatorin der Familiengerichtshilfe, Monika Stvarnik, ihre Erfahrungen. Man versuche immer, schlichtend einzugreifen und Lösungen im Interesse des Kindes zu erreichen.
Österreichweit wurde die Familienhilfe bisher 1474-mal eingesetzt, im Oberlandesgerichtssprengel Innsbruck rund 400-mal. Zentrale Ihre Aufgaben sind das Anbahnen von gütlichen Einigungen, die Sammlung von Entscheidungsgrundlagen, Stellungnahmen in Verfahren und die Rolle als Besuchsmittler. „Dass in rund einem Drittel aller Fälle Einigungen oder außergerichtliche Lösungen erzielt wurden, freut mich besonders“, betonte der Justizminister. Mit der Familiengerichtshilfe sei es gelungen, ein Erfolgsmodell für eine familienfreundliche Justizpolitik zu entwickeln. „Sie ist eine wichtige Stütze für Eltern, Kinder und Gerichte und hilft dort weiter, wo Familien nicht mehr weiter wissen“, ergänzt Brandstetter.
Dass sich vor allem Männer im Zusammenhang mit der Obsorge und Besuchskontakten benachteiligt fühlen, will Wolfgang Brandstetter so nicht stehen lassen. „Dabei handelt es sich meist um Vorurteile, die vielfach durch offene Gespräche ausgeräumt werden können“, sagt er abschließend. (pn)