Drohender Krieg mit Israel - Menschen in Gaza haben andere Sorgen
Gaza (APA/dpa) - Palatschinken sind Bahjad Abu Galion im Moment wichtiger als Krieg. Der 52-Jährige steht vor seinem Süßigkeiten-Laden im Ze...
Gaza (APA/dpa) - Palatschinken sind Bahjad Abu Galion im Moment wichtiger als Krieg. Der 52-Jährige steht vor seinem Süßigkeiten-Laden im Zentrum von Gaza und gießt Teig in eine Pfanne. Dass ein neuer Waffengang mit Israel bevorstehen könnte, scheint ihn kaum aus der Ruhe zu bringen.
„Es gab schon viele Kriege in Gaza. Am Ende handelt immer Ägypten eine Waffenruhe zwischen der (radikalislamischen) Hamas und Israel aus“, sagt Abu Galion. „Aber letztlich sind es die Menschen in Gaza, die bezahlen.“
Die Menschen in Gaza sorgten sich mehr um ihr tägliches Auskommen, erklärt der fünffache Vater. Den Krieg fürchteten sie weniger. Die Arbeitslosigkeit im blockierten Gazastreifen ist hoch, die Armut groß. Dazu kommen nun wieder die Spannungen mit Israel.
Seit am 12. Juni drei israelische Teenager im Westjordanland entführt wurden, haben militante Palästinenser fast täglich Raketen und Mörsergranaten in den Süden Israels gefeuert. Die israelische Armee antwortete mit gezielten Tötungen militanter Palästinenser und nächtlichen Luftangriffen auf Ausbildungslager der Hamas.
Dennoch hat keine der Konfliktparteien wirklich Interesse an einem Krieg. Sami Abu Zouhri, Sprecher der Hamas in Gaza, sagte, Israel sei verantwortlich für die Eskalation, betonte aber, dass seine Partei „derzeit nicht an einer Konfrontation interessiert“ sei. Wenn es sein müsse, sei die Hamas aber bereit, ihr Volk zu verteidigen. Zuvor hatte Zouhri verkündet, Ägypten vermittle eine Waffenruhe zwischen Israel und der Hamas. Bereits 2012 hatte das Land geholfen, einen achttägigen Schlagabtausch zwischen Israel und der Hamas zu beenden.
Am Donnerstag hatte Israel der Hamas nach Medienberichten ein Ultimatum von 24 Stunden gestellt, um die Angriffe auf Israel zu beenden. Um der Drohung mehr Nachdruck zu verleihen, schickte die israelische Armee Bodentruppen in Richtung Gaza, die am Rande des Palästinensergebiets in Position gingen. Am Freitag kursierten dann Berichte über eine bevorstehende Waffenruhe, doch die Raketen flogen weiter nach Israel und die Artillerie schlug zurück. Beide Seiten scheinen gefangen im Kreislauf von Gewalt und Gegengewalt.
Talal Ukal, politischer Analyst in Gaza, sagte, sowohl Hamas als auch Israel wollten eine Konfrontation letztlich vermeiden. „Die Kosten für beide Seiten wären zu hoch“, so Ukal. „Israel möchte, dass die derzeitige Situation so bleibt, ohne eine große Operation zu riskieren. So kann Israel die Palästinenser weiter spalten und verhindern, dass Hamas und Fatah sich aussöhnen.“
Vor einem Monat hatten die lange verfeindeten Palästinensergruppen eine Einheitsregierung gebildet - sehr zum Unmut von Israel. Die angespannte Situation könnte der Hamas in die Hände spielen, meint Ukal zugleich. Dass die radikale Organisation ihren Beschuss trotz israelischer Drohungen nicht einstellt, erhöhe ihr Ansehen in der Bevölkerung.
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