Lufthansa-Sanierung wird zum Marathon - Neue Strategie am Mittwoch

Frankfurt/Köln (APA/Reuters) - Der neue Lufthansa-Chef Carsten Spohr steht nach zwei Monaten im Cockpit der Fluggesellschaft vor seiner erst...

Frankfurt/Köln (APA/Reuters) - Der neue Lufthansa-Chef Carsten Spohr steht nach zwei Monaten im Cockpit der Fluggesellschaft vor seiner ersten Bewährungsprobe. Der von seinem Vorgänger Christoph Franz angestoßene Konzernumbau zeigt nicht die erhofften Erfolge. Hinzu gesellen sich neue Probleme in Europa und im Langstreckengeschäft. Folge: Vor wenigen Wochen musste Spohr die Gewinnziele für den Luftfahrtkonzern beerdigen.

Mit welcher Strategie die Austrian-Airline-Mutter nun wieder auf Wachstumskurs gebracht werden soll, will Spohr am Mittwoch in Frankfurt erläutern. Ein Teil der Lösung könnte sein, dass die Lufthansa die Vorgehensweise der ungeliebten Billig-Konkurrenz kopiert - sowohl auf der Kurz- als auch auf der Langstrecke.

Die Erwartungen bei Börsianern sind hoch: Spohr werde den Sanierungskurs fortführen und noch zusätzliche Maßnahmen ergreifen, sagt Luftfahrt-Analystin Ruxandra Haradau-Döser von Kepler Cheuvreux. Er werde dieses Jahr schauen, ob die Sanierung und der Neustart des Billigablegers Germanwings die erhofften Erfolge zeigen. „Falls dem nicht so ist, könnte die Lufthansa nächstes Jahr weitere Maßnahmen prüfen.“

Eigentlich hatten sich die 117.000 Lufthanseaten von Spohrs Amtsantritt eine Rückkehr zu alten Zeiten erhofft, als bei der Kranich-Linie kaum etwas gegen den Willen der Belegschaft entschieden wurde. Den nötigen Stallgeruch bringt der 47-jährige als ausgebildeter Pilot nach zwei Jahrzehnten im Unternehmen mit. Und genau den vermissten viele bei seinem Vorgänger Franz - Er verordnete der deutschen Vorzeige-Fluglinie eine schmerzhafte Rosskur, der Tausende Arbeitsplätze zum Opfer fallen. Doch die Marktverschiebung sind zu groß - Spohr kann die Zeit nicht mehr zurückdrehen.

Die Probleme stapeln sich insbesondere in der Passagiersparte - dem größten Umsatzbringer und Herzstück des DAX-Konzerns. Zu den alten Bedrohungen, also den Billigfliegern und den arabischen Staats-Airlines, gesellte sich jüngst noch eine neue Baustelle. Die Lufthansa hat die Kapazitäten nach vorheriger Zurückhaltung wieder hochgefahren, für den Sommer auf den Langstrecken um fünf Prozent und auf Nordatlantik-Verbindungen, auf denen viele gut zahlende Geschäftskunden unterwegs sind, sogar um gut sieben Prozent. „Es hat sich gezeigt, dass das mehr war als der Markt aufnehmen konnte“, sagen Analysten der Bank Barclays. Auch wenn die Lufthansa nun die Strategie überdenkt, sind die Preise unter Druck gekommen - ein Grund für die Gewinnrevision vor einigen Wochen.

Nach Aussagen von Michael Gierse, Fondsmanager bei Union Investment, kommt noch ein andere Schwierigkeit hinzu. „Das Lufthansa-Langstreckengeschäft ist durch die Rivalen vom Persischen Golf mehr bedroht als das anderer europäischer Traditions-Fluglinien, da die Asien-Verbindungen bei den Deutschen stark ins Gewicht fallen.“ Hier sind Emirates und Co geografisch ideal positioniert, um die Verbindungen zwischen Europa und Asien über ihre Drehkreuze am Persischen Golf zu lenken. „Air France hingegen hat ein wesentlich breiteres Spektrum, da zusätzlich viele Verbindungen nach Afrika und Südamerika angeboten werden.“

Um die Probleme teilweise einzudämmen, spielt Lufthansa einem Konzerninsider zufolge ein Konzept für günstigere Interkontinentalflüge mit abgeschrieben Flugzeuge durch. „Es wird derzeit viel geprüft und gerechnet, um bis zum 9. Juli ein Konzept zu haben“, sagte eine mit der Sache vertraute Person vor einigen Tagen der Nachrichtenagentur Reuters.

Intensiver wird die Konkurrenz nun auch noch auf dem Kernmarkt Europa. „Ryanair geht verstärkt auch an große Flughäfen, und andere Billigflieger wie Easyjet, Vueling und Norwegian bauen das Angebot ständig aus“, sagt Haradau-Döser. Gleichzeitig drängen die Angreifer wegen der Schwäche von Alitalia verstärkt nach Italien - das sei einer der wichtigsten Lufthansa-Transfermärkte, von dem die Passagiere über Drehkreuze in Frankfurt oder München in alle Welt fliegen. Ein mögliches Rezept: Vor einigen Wochen hatte das Magazin „Der Spiegel“ berichtet, die Lufthansa wolle neben ihrer Tochter Germanwings einen weiteren Billiganbieter an den Start bringen. Die Flotte der Tochter Eurowings solle um Maschinen vom Typ Airbus A320 erweitert werden und von Deutschland aus Ziele in ganz Europa anfliegen.

~ ISIN DE0008232125 WEB http://www.lufthansa.com/ ~ APA503 2014-07-04/18:24